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So funktioniert die richtige Ernährung bei Gicht

Innereien, Bier und Softdrinks treiben die Harnsäure hoch, Milchprodukte und Gemüse nicht. Hier findest du die Verbotsliste, die Purinwerte von über 130 Lebensmitteln, den Getränke-Check und eine ehrliche Antwort, wie viel Ernährung bei Gicht bringt.

Purinarme Lebensmittel bei Gicht auf einem hellen Küchentisch: Joghurt mit Beeren, Eier, Käse, Vollkornbrot, Ofengemüse, Wasser mit Zitrone und Kaffee
Purinarm essen heißt nicht Verzicht: Gemüse, Kartoffeln, Milchprodukte und Eier sind bei Gicht frei, nur Innereien, bestimmte Fische, Bier und Zuckergetränke bleiben draußen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Löslichkeitsgrenze der Harnsäure
6,8mg/dl

Ab etwa diesem Wert (rund 400 µmol/l) kann Harnsäure im Blut zu Kristallen werden. Unter Therapie gilt ein Zielwert von unter 6 mg/dl, bei Gichtknoten oft unter 5.

Der Harnsäure entsteht im Körper
70%

Nur rund ein Drittel stammt laut Schätzung des IQWiG aus dem Essen. Selbst eine streng purinarme Kost senkt den Wert deshalb höchstens um etwa 30 Prozent.

Gichtrisiko je Bier am Tag
+49%

So viel stieg das Risiko je 355 ml Bier täglich in einer Kohorte mit 47.150 Männern. Je Schnaps waren es 15 Prozent, Wein zeigte in dieser Studie keinen Effekt.

Was die Leitlinie empfiehlt
Pflanzen­betont

Die S3-Leitlinie Gicht rät zu weniger Fleisch, mehr pflanzlicher Kost, weniger Alkohol und weniger Fruktose. Eine spezielle Gicht-Diät mit strengen Verbotslisten empfiehlt sie ausdrücklich nicht.

01 Verstehen

Was Gicht ist und warum Ernährung nur die halbe Miete ist

Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit: Im Blut ist zu viel Harnsäure, ab einer bestimmten Konzentration fällt sie in den Gelenken als Kristalle aus, und das Immunsystem antwortet mit einer heftigen Entzündung, dem Gichtanfall. Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels; Purine stecken in jeder Zelle, in Fleisch, Fisch, Innereien und Hefe.

Der größere Teil der Harnsäure stammt aber nicht aus dem Essen, sondern aus dem Abbau eigener Zellen, das IQWiG schätzt rund 70 Prozent. Deshalb senkt selbst eine streng purinarme Kost den Wert nur um etwa 30 Prozent, und die S3-Leitlinie Gicht sagt ausdrücklich: Für eine spezielle Gicht-Diät gibt es keine gesicherte Evidenz.

Schaubild

Warum es meist die große Zehe trifft

Links ein gesundes Großzehengrundgelenk, rechts ein Gichtanfall. Das Gelenk ist kühl, weit vom Herzen entfernt und oft schon durch Arthrose vorgeschädigt. Dort fällt Harnsäure zuerst aus.

1 2 3 4 5 6
Gesundes GelenkGichtanfall
  1. 1
    Uratkristalle im Gelenkspalt

    Nadelförmige Kristalle aus Mononatriumurat bilden sich, sobald die Harnsäure im Gewebe die Löslichkeitsgrenze überschreitet. Kälte senkt diese Grenze, deshalb beginnen viele Anfälle nachts am Fuß.

  2. 2
    Entzündete Gelenkinnenhaut

    Links zart, rechts entzündet: Fresszellen erkennen die Kristalle als Fremdkörper und schütten den Botenstoff Interleukin-1 aus. Das Gelenk wird innerhalb von 6 bis 24 Stunden rot, heiß, prall und extrem berührungsempfindlich.

  3. 3
    Knorpel

    Bei wiederholten Anfällen greifen Kristalle und Entzündung den Knorpel an. Nach vielen Jahren ohne Behandlung kann das Gelenk dauerhaft Schaden nehmen.

  4. 4
    Tophus

    Ein Gichtknoten: ein Kristalldepot unter der Haut, oft an Zehen, Fingern, Ellenbogen oder Ohrmuschel. Etwa jede zehnte Person mit Gicht entwickelt Tophi; unter Therapie mit Zielwert schrumpfen sie.

  5. 5
    Mittelfußknochen

    Der erste Mittelfußknochen bildet mit dem Grundglied der Zehe das Gelenk, das beim Gehen bei jedem Schritt belastet wird. Mikroverletzungen begünstigen die Kristallbildung.

  6. 6
    Grundglied der Zehe

    Neben der großen Zehe sind Sprunggelenk, Mittelfuß, Knie und Finger häufig betroffen. Grundsätzlich kann Gicht jedes Gelenk erwischen.

Schematische Darstellung nach der S3-Leitlinie Gicht (DGRh 2024) und Roddy 2011 (J Foot Ankle Res). Keine anatomisch maßstabsgetreue Zeichnung.

Gicht Symptome: so fühlt sich ein Anfall an

Ein Gichtanfall beginnt typisch nachts oder frühmorgens, ohne Vorwarnung, mit Schmerzmaximum innerhalb von 24 Stunden: Das Gelenk schwillt an, wird rot bis bläulich und heiß, schon die Bettdecke tut weh. Beim ersten Anfall ist es meist das Großzehengrundgelenk, die Medizin nennt das Podagra. Unbehandelt dauert ein Anfall laut Leitlinie 3 bis 14 Tage. Fieber, Schüttelfrost oder mehrere gleichzeitig entzündete Gelenke gehören nicht zum Standardbild und müssen ärztlich abgeklärt werden, weil eine bakterielle Gelenkinfektion ähnlich aussieht.

Mann sitzt morgens auf der Bettkante und hält sich den schmerzenden Fuß mit geschwollener großer Zehe
Der klassische Beginn: nachts oder frühmorgens, ein Gelenk, meist die große Zehe, innerhalb von Stunden rot, heiß und kaum berührbar.

Harnsäure zu hoch: ab welchem Wert wird es kritisch?

Kritisch wird es ab der Löslichkeitsgrenze von etwa 6,8 mg/dl (rund 400 µmol/l): Darüber kann Harnsäure auskristallisieren. Bei diagnostizierter Gicht gilt unter Therapie ein Zielwert unter 6, bei Gichtknoten unter 5 mg/dl; im Anfall ist der Wert oft falsch niedrig, gemessen wird etwa zwei Wochen danach. Das Risiko hängt stark vom Wert ab: In vier US-Kohorten mit fast 19.000 Personen bekamen innerhalb von 15 Jahren 1,1 Prozent derjenigen unter 6 mg/dl Gicht, aber 49 Prozent derjenigen ab 10 mg/dl.

Wer bekommt Gicht? Die Risikofaktoren jenseits des Tellers

Gicht galt lange als Krankheit der Völlerei, die Daten sagen etwas anderes: In einer Metaanalyse mit fast 17.000 Menschen erklärte die Ernährung insgesamt weniger als ein Prozent der Unterschiede im Harnsäurespiegel, die Gene rund 24 Prozent. Bei den meisten Betroffenen scheiden die Nieren erblich bedingt zu wenig Harnsäure aus. Das nimmt niemandem die Verantwortung fürs Essen, aber es nimmt die Schuld; die amerikanische Rheumatologie-Gesellschaft warnt ausdrücklich davor, Gicht als Ernährungsversagen zu behandeln.

Dazu kommen Faktoren, die du kennen solltest: Männer erkranken drei- bis zehnmal häufiger als Frauen und meist ab 40, Frauen fast nur nach den Wechseljahren, weil Östrogen die Harnsäureausscheidung fördert. Übergewicht verdoppelt das Risiko etwa, ab einem BMI von 35 verdreifacht es sich. Entwässerungsmittel erhöhen es um das Anderthalb- bis Dreifache, eine nachlassende Nierenfunktion lässt die Gichtrate von 16 auf über 35 Prozent steigen. Auch niedrig dosiertes ASS erhöht die Harnsäure, darf aber nie eigenmächtig abgesetzt werden.

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Was treibt bei dir die Harnsäure?

Kein Punkt trifft zu: Ein erhöhter Harnsäurewert ist bei dir eher unwahrscheinlich, sicher weiß es aber nur der Bluttest.

02 Meiden

Verbotsliste bei Gicht: was du wirklich meiden solltest

Eine strikte Verbotsliste gibt es bei Gicht streng genommen nicht. Es zählt die Purinmenge über den Tag und das, was die Harnsäure zusätzlich hochtreibt oder ihre Ausscheidung bremst: Alkohol, Fruktose, Übergewicht. Eine Handvoll Lebensmittel liefert aber schon in einer Portion so viel wie ein ganzer Tag; die stehen links.

Die Tabelle folgt der aktuellen Studienlage, nicht den alten Purintabellen: Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn stehen rechts, obwohl sie Purine enthalten, denn in der Kohorte hinter fast allen Leitlinien hatten Männer mit dem höchsten Verzehr an purinreichem Gemüse kein erhöhtes Gichtrisiko, während Fleisch das Risiko um 41 und Meeresfrüchte um 51 Prozent erhöhten.

Verbotsliste

Meiden, selten, frei: die Verbotsliste bei Gicht auf einen Blick

Sortiert nach Lebensmittelgruppen. Purinwerte je 100 g findest du in Kapitel 4 zum Nachschlagen.

MeidenSelten, kleine PortionFrei
FleischInnereien, Fleischextrakt, BrühwürfelRind, Schwein, Lamm, Wild, Geflügel: 100 bis 150 g, nicht täglichEier und Milchprodukte als Ersatz
WurstSalami, Speck, Leberwurst, BratwurstKochschinken, Wiener in kleinen MengenKäse, Frischkäse, Hummus als Belag
FischSardinen, Sardellen, Ölsardinen, FischkonservenKabeljau, Seelachs, Lachs, Forelle, Hering: 100 bis 150 g, ein- bis zweimal die WocheNichts davon ist purinfrei, die Portion zählt
MeeresfrüchteMuscheln, Garnelen, Krabben, FischmilchJakobsmuscheln, Tintenfisch in kleinen MengenLachskaviar (Ikura) mit 4 mg
GetränkeBier, auch alkoholfrei; Spirituosen; Cola, Limonade, EnergydrinksWein und Sekt: ein kleines Glas, nicht täglich; FruchtsaftWasser, Kaffee, Tee, Milch, zuckerfreie Softdrinks
SüßesZuckergetränke, Fruktosesirup, große Mengen TrockenfrüchteSchokolade, Kuchen, Kekse, Eis: Zucker ist das Thema, nicht PurinFrisches Obst in normalen Portionen
Gemüse & PilzeNichtsNichts; auch Spinat, Spargel, Pilze, Brokkoli erhöhen das Risiko nichtAlles, in jeder Menge
Hülsenfrüchte & NüsseNichtsNichts; gekochte Linsen und Bohnen liegen bei 10 bis 60 mgLinsen, Bohnen, Kichererbsen, Tofu, Nüsse, Samen
Milch & EierNichtsNichtsMilch, Joghurt, Quark, Käse, Eier: senken die Harnsäure eher
Brot & BeilagenNichtsWeizenkeime, Reiskleie als ZusatzKartoffeln, Reis, Nudeln, Brot, Haferflocken
WürzeHefeextrakt, Brühwürfel, Umami-Pulver, SardellenpasteSojasauce, Senf, KetchupKräuter, Gewürze, Zitrone, Essig, Öl

Einordnung nach der S3-Leitlinie Gicht (DGRh 2024), der DGE-Infothek „Essen und Trinken bei Gicht“ (2023) und den Kohorten von Choi 2004 (NEJM, Lancet), Choi 2008 (BMJ) und Teng 2015 (Arthritis Rheumatol). Purinwerte aus Kaneko 2014/2020 und der USDA-Purindatenbank 2025.

Die Spitzenreiter sind Innereien, kleine fette Fische, Muscheln, gebratene Wurst und alles aus Hefe: Hühnerleber (312 mg) oder frische Sardellen (304) liefern je 100 Gramm so viel, wie die japanische Gicht-Leitlinie für einen ganzen Tag als Obergrenze nennt, Hefeextrakt kommt auf 847. Eier (0 mg), Milch, Joghurt, Quark und Käse (1 bis 13 mg) tragen praktisch nichts bei.

Verbotene Gemüse bei Gicht: Spinat, Spargel, Pilze, Hülsenfrüchte

Diese Liste stammt aus alten Purintabellen und ist überholt. Ja, Spinat (51 mg), Spargelspitzen (55), Champignons (50) und Brokkoli (70) enthalten mehr Purine als Gurke oder Karotte; nein, sie lösen keine Gichtanfälle aus. In der Kohorte mit 47.150 Männern war purinreiches Gemüse nicht mit dem Gichtrisiko verbunden, tierische Purine der letzten zwei Tage erhöhten das Anfallsrisiko auf das 2,4-Fache, pflanzliche nur auf das 1,4-Fache, und in Singapur senkten Soja und Hülsenfrüchte es um 14 bis 17 Prozent. Beim Kochen wandert zudem ein Viertel bis ein Drittel der Purine ins Wasser.

Mann hält beim Grillabend einen Teller mit Bratwurst und Steak, daneben ein Glas Bier
Ein Grillabend mit Wurst, Steak und zwei Bier bringt es auf rund 800 mg Purine, das Doppelte der Tagesgrenze, plus Alkohol, der die Ausscheidung bremst.

Purinarme Ernährung: was das eigentlich heißt

Purinarm heißt in deutschen Ernährungsberatungen: höchstens 500 mg Harnsäure am Tag und 3.000 mg in der Woche (Rationalisierungsschema der Fachgesellschaften 2004); die Deutsche Gichtliga rechnet mit 400 mg Harnsäure, die japanische Leitlinie mit 400 mg Purinen. Die rheumatologischen Leitlinien aus Deutschland, Europa und den USA nennen keine Zahl mehr, sondern sagen: weniger Fleisch, mehr Pflanzen, weniger Alkohol, weniger Fruktose. Purinzählen ist also kein Muss, aber die Portion zählt: 5 g Petersilie bringen 14 mg, 200 g Steak 350. Das zeigt der Baukasten.

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Dein Tag in Milligramm Purin

Tippe an, was du an einem Tag isst und trinkst. Der Balken zeigt, wo du gegenüber der 400-mg-Grenze der japanischen Gicht-Leitlinie landest. Zwei Beispieltage liegen bereit.

400 mg
0 mg von 400 mg

Noch nichts angetippt. Probiere die beiden Beispieltage: Sie liegen fast um den Faktor zehn auseinander.

03 Verstehen

Vom Teller zum Kristall: der Weg der Purine

Drei Stationen entscheiden, ob aus einem Steak ein Gichtanfall wird. An zwei davon kannst du mit dem Essen drehen, an der dritten nur bedingt.

1

Purine werden zu Harnsäure

Purine sind Bausteine der Erbsubstanz und stecken in jeder Zelle, in deinen eigenen wie in denen von Fleisch, Fisch oder Hefe. Die Leber baut sie über das Enzym Xanthinoxidase zu Harnsäure ab. Rund 70 Prozent dieser Harnsäure stammt aus dem eigenen Zellumsatz, der Rest aus dem Essen. Fruktose und Alkohol kurbeln den Abbau zusätzlich an.

2

Niere und Darm scheiden aus

Etwa zwei Drittel der Harnsäure verlassen den Körper über die Nieren, ein Drittel über den Darm. Bei den meisten Menschen mit Gicht liegt das Problem hier: Die Nieren geben zu wenig ab, oft genetisch bedingt, verstärkt durch Alkohol, Entwässerungstabletten oder eine nachlassende Nierenfunktion.

3

Ab 6,8 mg/dl fällt sie aus

Übersteigt die Konzentration im Blut die Löslichkeitsgrenze, bilden sich nadelförmige Kristalle, zuerst dort, wo es kühl ist und das Gewebe vorgeschädigt: im Großzehengrundgelenk. Das Immunsystem erkennt die Kristalle als Fremdkörper und löst über den Botenstoff Interleukin-1 eine heftige Entzündung aus, den Gichtanfall.

04 Nachschlagen

Schokolade, Kaffee, Tomaten, Käse: Was darf ich bei Gicht essen?

Die häufigsten Google-Fragen zu Gicht drehen sich um ein einzelnes Lebensmittel. Deshalb steht hier ein Nachschlagewerk mit über 130 Lebensmitteln und ihrem Puringehalt und darunter die Antworten auf die häufigsten Fragen.

Schokolade bei Gicht

Schokolade darfst du essen. Sie liefert rund 8 mg Purine je 100 g, zwei Rippen Zartbitter also unter 2 mg, und das Theobromin aus dem Kakao wird nicht zu Harnsäure abgebaut. Das Thema ist der Zucker: Vollmilchschokolade, Nuss-Nougat-Creme, Kuchen und Gummibärchen liefern Fruktose, und die treibt die Harnsäure hoch. Zartbitter in kleinen Mengen ist unproblematisch, die Tafel Vollmilch täglich nicht, wegen der 25 Gramm Zucker.

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Darf ich das bei Gicht essen?

Lebensmittel eingeben oder nach Gruppe filtern. Die Zahl ist der Puringehalt in mg je 100 g (bei Getränken je 100 ml), gemessen als Summe der vier Purinbasen. Grün heißt frei, Gelb heißt Portion und Häufigkeit beachten, Rot heißt besser weglassen.

  • Schokolade, Zartbitter Bitterschokolade 8Purinarm; 20 g liefern unter 2 mg. Theobromin wird nicht zu Harnsäure
  • Schokolade, Vollmilch Milchschokolade 8Purinarm, aber rund 50 g Zucker je 100 g; kleine Mengen
  • Nuss-Nougat-Creme Nutella k. A.Zucker 56 g je 100 g; Purine vernachlässigbar. Ein Esslöffel ist okay
  • Kuchen Rührkuchen, Torte ≈ 5 bis 10Mehl, Ei, Butter, Zucker: kaum Purine, viel Zucker. Ein Stück, nicht täglich
  • Kekse Butterkekse ≈ 10 bis 20Wie Kuchen: Zucker ist das Thema, nicht Purin
  • Gummibärchen Fruchtgummi ≈ 0Gelatine und Zucker sind purinfrei; der Zucker zählt trotzdem
  • Honig 1Fast purinfrei, aber 40 g Fruktose je 100 g. Ein Teelöffel geht
  • Marmelade Konfitüre ≈ 1 bis 2Zucker- und Fruktosethema, nicht Purin
  • Speiseeis Milcheis ≈ 1Milch, Sahne und Ei sind purinfrei; eine Kugel ist unproblematisch
  • Kakaopulver k. A.DGE: Kakao ist unproblematisch. Kakao mit Milch ist eine gute Wahl
  • Kartoffelchips Chips ≈ 20 bis 25Kartoffel plus Fett und Salz; als Knabberei in kleinen Mengen
  • Salzstangen Brezeln ≈ 10 bis 20Weizenbasis, purinarm. Die bessere Knabberei
  • Popcorn ≈ 5Mais ist purinarm; ungesüßt die beste Knabberei bei Gicht
  • Reiscracker 14Purinarm
  • Kaffee Filterkaffee, Espresso unter 1Praktisch purinfrei; 4 bis 5 Tassen am Tag gingen mit 40 Prozent weniger Gicht einher
  • Kaffee mit Milch Milchkaffee, Cappuccino unter 1Milch senkt die Harnsäure eher. Ohne Zuckersirup
  • Schwarztee unter 2Kein Zusammenhang mit dem Gichtrisiko
  • Grüner Tee 2Fertiges Getränk 1,7 mg je 100 ml
  • Kräutertee Früchtetee ≈ 0Aufguss aus wenigen Gramm Pflanze, Purine vernachlässigbar
  • Cola zuckerhaltig 0Keine Purine, aber 10 g Zucker je 100 ml; zwei Gläser am Tag: plus 85 Prozent Gichtrisiko
  • Cola Zero Cola Light, Diät-Softdrink 0Kein Zucker, keine Purine, in zwei Kohorten nicht mit Gicht verbunden
  • Limonade Fanta, Sprite, Eistee gesüßt 0Wie Cola: Fruktose ist das Problem
  • Energydrink 0Zucker wie Limonade; Koffein wird nicht zu Harnsäure
  • Apfelsaft 16 g Fruktose je 100 ml; Fruchtsaft war in Kohorten mit mehr Gicht verbunden
  • Orangensaft O-Saft 1Ein Glas am Tag: plus 41 Prozent Risiko bei Frauen. Lieber die Orange essen
  • Sauerkirschsaft Kirschsaft ≈ 2Kirschen: 35 Prozent weniger Anfälle in einer Beobachtungsstudie, Saft im Test ohne Effekt. Zucker beachten
  • Bier Pils, Lager, Helles 9Purine aus Hefe plus Alkohol: je Bier am Tag plus 49 Prozent Gichtrisiko
  • Weizenbier Hefeweizen 8Wie Pils
  • Dunkles Bier Export, Bockbier 11 bis 14Höchster Purinwert unter den Bieren
  • Alkoholfreies Bier 3Ein Drittel der Purine, kein Alkohol; erhöht die Harnsäure akut um 4,4 Prozent. Ein Glas, nicht der Kasten
  • Malzbier ≈ 3Wie alkoholfreies Bier plus 12 g Zucker je 100 ml
  • Radler Alster 4Halb Bier, halb Zuckerlimonade
  • Rotwein 2Kaum Purine, kein Effekt auf das Gichtrisiko in der Kohorte; ab zwei Gläsern akutes Anfallsrisiko
  • Weißwein 2Wie Rotwein: ein kleines Glas, nicht täglich
  • Sekt Prosecco, Champagner ≈ 2Wie Wein; Alkohol bremst die Ausscheidung
  • Spirituosen Schnaps, Whisky, Wodka, Gin 0Purinfrei, aber je Drink am Tag plus 15 Prozent Risiko; Alkohol hemmt die Ausscheidung
  • Wasser Mineralwasser 0Die Basis: 2 bis 3 Liter am Tag, sofern medizinisch nichts dagegenspricht
  • Milch Vollmilch, fettarm 0Fördert die Harnsäureausscheidung; höchster Milchkonsum: 44 Prozent weniger Gicht
  • Buttermilch Kefir ≈ 0Wie Milch
  • Sojamilch Sojadrink 22Purinarm; Soja senkte in der Singapur-Kohorte das Gichtrisiko um 14 Prozent
  • Hafermilch Haferdrink ≈ 3Aus Haferflocken (35 mg) stark verdünnt; purinarm
  • Joghurt Naturjoghurt 5Frei; Fruchtjoghurt wegen des Zuckers besser selbst mischen
  • Quark Speisequark, Magerquark ≈ 8Kein eigener Messwert; Käsewerte liegen bei 1 bis 13 mg
  • Hüttenkäse körniger Frischkäse 8Purinarm und eiweißreich
  • Frischkäse ≈ 5Käsespanne 1 bis 13 mg
  • Mozzarella 8Frei; als Fleischersatz auf der Pizza die bessere Wahl
  • Gouda Schnittkäse ≈ 6 bis 9Kein eigener Messwert; vergleichbare Schnittkäse 6 bis 9 mg
  • Emmentaler Bergkäse ≈ 6 bis 9Wie Gouda
  • Camembert Brie, Weichkäse ≈ 5 bis 10Frei
  • Feta Schafskäse, Hirtenkäse ≈ 5 bis 10Frei; salzig, deshalb bei Bluthochdruck maßvoll
  • Parmesan Hartkäse, gerieben 13Höchster Käsewert, aber 10 g je Portion
  • Butter 0Purinfrei. Die alte Regel „keine Butter bei Gicht“ hat keine Grundlage
  • Sahne Schlagsahne, Crème fraîche 0Purinfrei
  • Eier Hühnerei, Spiegelei, Rührei 0Praktisch purinfrei und in Kohorten mit niedrigerer Harnsäure verbunden. Keine Obergrenze wegen Gicht
  • Tomaten 7Purinarm; 20 Prozent der Betroffenen nennen sie als Auslöser, messbar ist der Effekt winzig
  • Cherrytomaten 3Frei
  • Gurke Salatgurke 9Frei
  • Paprika 1 bis 2Frei, viel Vitamin C
  • Karotten Möhren 2Frei
  • Zucchini 13Frei
  • Brokkoli 70Purinreiches Gemüse ohne Gichtrisiko; gekocht deutlich weniger, weil Purine ins Wasser gehen
  • Blumenkohl Karfiol 57Wie Brokkoli: kein Risiko laut Kohorten
  • Spinat 51Steht auf alten Verbotslisten, erhöht das Gichtrisiko aber nicht (Choi 2004). Babyspinat 172
  • Spargel 33Spitzen 55, Stangen 10 mg; kein Risiko laut Kohorten
  • Champignons Pilze 50Pflanzliche Purine ohne Gichtrisiko; getrocknete Pilze sind konzentriert (Shiitake 380)
  • Rosenkohl 39Frei
  • Grünkohl ≈ 26Kohlblätter 26 mg; frei
  • Sauerkraut ≈ 3Weißkohl 3 mg, die Gärung liefert keine Purine
  • Weißkohl Rotkohl, Wirsing 3Frei
  • Kürbis Hokkaido 57Butternut 9 mg; frei
  • Aubergine 51Frei
  • Zwiebeln 2Frei
  • Knoblauch 17Eine Zehe wiegt 5 g: unter 1 mg
  • Bärlauch ≈ 20 bis 40Verwandte Lauchgewächse 19 bis 41 mg; als Kraut in kleinen Mengen frei
  • Lauch Porree 41Frei
  • Kopfsalat Blattsalat, Rucola 5Frei
  • Grüne Bohnen 8Frei; anders als getrocknete Hülsenfrüchte sehr purinarm
  • Mais Zuckermais 12Frei
  • Avocado 18Frei
  • Sojasprossen 35Frei
  • Radieschen Rettich 2Frei
  • Petersilie Kräuter 289Höchster Gemüsewert, aber 5 g je Gericht sind 14 mg. Frei
  • Bananen 3Frei; die Frage „Bananen bei Gicht“ ist mit Ja beantwortet
  • Äpfel ≈ 2Frei; ganzes Obst ist unproblematisch, Fruchtsaft nicht
  • Birnen ≈ 2Frei
  • Kiwi 2Frei, viel Vitamin C
  • Ananas ≈ 2Frei; ganze Frucht ja, gezuckerte Konserve nein
  • Erdbeeren Beeren, Himbeeren, Heidelbeeren 2Frei
  • Kirschen Sauerkirschen ≈ 2Frei; in einer Beobachtungsstudie 35 Prozent weniger Anfälle, im Test mit Konzentrat kein Effekt
  • Weintrauben ≈ 3Frei; zuckerreich, deshalb eine Handvoll statt der Schale
  • Orangen Mandarinen, Zitrusfrüchte 2Frei; die Orange essen statt trinken
  • Zitrone Zitronensaft, Zitronenwasser ≈ 2Frei. Als Harnsäuresenker nicht belegt, als Geschmack fürs Wasser gern
  • Wassermelone Melone ≈ 2Frei
  • Trockenfrüchte Rosinen, Datteln, Aprikosen ≈ 5 bis 15Trocknung konzentriert Zucker: Rosinen 60 g Zucker je 100 g. Eine kleine Handvoll
  • Obstkonserven Fruchtcocktail gezuckert ≈ 2Zuckersirup ist das Thema; lieber frisch
  • Kartoffeln Salzkartoffeln, Püree 7Frei
  • Pommes frites ≈ 10 bis 15Purinarm; Fett und Salz sind das Thema
  • Kartoffelsalat ≈ 10Frei; mit Speck oder Fleischbrühe entsprechend mehr
  • Reis Basmati, Jasmin 6Gekocht 6 mg; frei
  • Vollkornreis Naturreis ≈ 10Roh 37, gekocht etwa ein Drittel; frei
  • Nudeln Pasta, Spaghetti 7Frei
  • Weißbrot Toast, Baguette 4 bis 16Frei
  • Vollkornbrot ≈ 6Frei
  • Roggenbrot Mischbrot ≈ 6Frei
  • Dinkelbrot ≈ 5 bis 15Kein Dinkel-Messwert; Getreide und Brot liegen bei 4 bis 44 mg. Frei
  • Brötchen Semmel ≈ 5 bis 15Frei
  • Knäckebrot ≈ 15Trockenprodukt, je 100 g höher, je Scheibe (10 g) unter 2 mg
  • Haferflocken Porridge, Haferbrei 35Trocken 35 mg, 50 g sind 18 mg; laut IQWiG ohne Einfluss auf das Anfallsrisiko
  • Müsli ≈ 25 bis 35Frei; gezuckerte Sorten meiden
  • Cornflakes 1Frei; ungezuckert
  • Erbsen grün, TK 22Frei
  • Linsen gekocht ≈ 60Getrocknet 222 mg, gekocht etwa ein Viertel davon; Hülsenfrüchte senkten in Kohorten das Risiko
  • Kichererbsen gekocht, Hummus 11Frei
  • Kidneybohnen Dose 23Frei
  • Weiße Bohnen gekocht ≈ 21Getrocknet 202, aus der Dose abgespült 21 mg
  • Schwarze Bohnen Dose 24Frei
  • Sojabohnen getrocknet, Edamame 173Getrocknet 173, Edamame 48 mg; gekocht wie Bohnen
  • Tofu 31Frei; 3 Minuten gekocht 22 mg
  • Veggie-Burger Sojabratling ≈ 30 bis 6565 mg je 100 g Trockenmasse; als Fleischersatz purinärmer als Fleisch
  • Erdnüsse 4930 g sind 15 mg; Nüsse waren in Kohorten nicht mit Gicht verbunden
  • Mandeln 31Frei
  • Walnüsse 20Frei
  • Haselnüsse ≈ 20 bis 50Frei
  • Sonnenblumenkerne Kürbiskerne ≈ 35 bis 60Frei in Portionen von 20 g
  • Sesam 36Frei
  • Chiasamen Leinsamen 5915 g sind 9 mg; frei
  • Rinderfilet 98150 g sind 150 mg; Fleisch erhöhte das Gichtrisiko um 41 Prozent
  • Rindersteak Ribeye, Entrecôte 174200 g sind 350 mg; selten, kleine Portion
  • Rinderhackfleisch Hackfleisch, Bolognese 161Gebraten bis 250 mg je 100 g; 125 g sind 200 mg
  • Rinderbraten Roastbeef, gegart 144Portion begrenzen
  • Schweineschnitzel Schweinelende 91100 bis 150 g, nicht täglich
  • Schweinebauch 76Fettreich, deshalb je 100 g weniger Purine; Kalorien beachten
  • Schweinefilet 120Portion begrenzen
  • Hähnchenbrust Hühnerbrust 141Mittlerer Puringehalt, gegart bis 180 mg; 150 g sind rund 210 mg
  • Hähnchenkeule Hähnchenschenkel 123Portion begrenzen
  • Hähnchenhaut Brathähnchen mit Haut 120DGE rät zum Verzicht auf Haut; das Hähnchen ohne Haut essen
  • Pute Putenbrust, Putenhack 96Portion begrenzen; Putenaufschnitt 235 mg
  • Lamm 94Portion begrenzen
  • Wild Hirsch, Reh, Wildschwein 92 bis 140Portion begrenzen
  • Ente Gans 164Selten
  • Leber Rind, Schwein, Huhn 220 bis 312Der Klassiker der Verbotsliste; 100 g decken fast den ganzen Tag
  • Niere 174 bis 195Meiden
  • Kalbsbries Bries, Hirn, Innereien k. A.In deutschen Tabellen die purinreichste Innerei; meiden
  • Leberwurst ≈ 80Leberpastete 80 mg; kleine Menge selten
  • Leberkäse Fleischkäse ≈ 50 bis 115Brühwurst-Werte 46 bis 115 mg; eine Scheibe, nicht die Semmel jeden Tag
  • Salami 120 bis 246Trocknung konzentriert; 30 g sind bis 70 mg
  • Kochschinken 74Zwei Scheiben (30 g) sind 22 mg
  • Rohschinken Parmaschinken, Serrano 13830 g sind 41 mg; selten
  • Bratwurst 160 bis 213Gebraten 213 mg; eine große Bratwurst sind 320 mg
  • Wiener Würstchen Frankfurter 46 bis 115Große Spanne je nach Fleischanteil
  • Speck Bacon, Schinkenspeck 62 bis 429Knusprig gebraten bis 429 mg; meiden
  • Corned Beef 47Kleine Portion
  • Lachs 119 bis 250Zuchtlachs bis 250 mg; 100 bis 150 g, ein- bis zweimal die Woche
  • Forelle 181DGE zählt Forelle zu den zu reduzierenden Fischen; kleine Portion, selten
  • Kabeljau Dorsch 98Magerer Fisch mit dem niedrigsten Wert; erste Wahl beim Fisch
  • Seelachs Alaska-Seelachs ≈ 100Wie Kabeljau
  • Fischstäbchen ≈ 65 bis 70Seelachs plus Panade; drei Stück sind rund 60 mg
  • Thunfisch Dose 117 bis 212Abgetropft bis 212 mg; halbe Dose, selten
  • Hering Matjes, Bismarckhering 140DGE: reduzieren; 100 g sind 140 mg
  • Makrele 122 bis 205Geräuchert konzentriert; selten
  • Sardinen frisch 210Meiden
  • Ölsardinen Dose ≈ 400Meiden
  • Sardellen Anchovis 304Zwei Filets (10 g) sind 30 mg; Sardellenpaste meiden
  • Garnelen Shrimps, Scampi 167 bis 192Meeresfrüchte erhöhten das Gichtrisiko um 51 Prozent; selten
  • Miesmuscheln Muscheln 293Meiden; Jakobsmuscheln 77 mg gehen
  • Tintenfisch Calamari, Oktopus 137 bis 151Selten
  • Krabbenfleisch Krebs 148Selten
  • Kaviar Fischrogen 95Lachskaviar nur 4 mg; Fischmilch bis 560 mg meiden
  • Sushi ≈ 40 bis 80Reis verdünnt den Fisch; acht Stück sind 100 bis 200 mg. Nori-Blatt 18 mg
  • Ketchup 11Purinarm, aber 22 g Zucker je 100 g
  • Tomatenmark Passata 11Frei
  • Mayonnaise 1Frei
  • Senf 2510 g sind 3 mg; frei
  • Sojasauce 45 bis 5510 ml sind 5 mg; frei in Würzmengen
  • Fleischbrühe Brühwürfel, Fond 180Pulver 180 mg je 100 g; Gemüsebrühe ohne Hefeextrakt nehmen
  • Hefeextrakt Würzpaste, Marmite 847Ein Teelöffel sind 34 mg; in vielen Fertigsuppen und Chips enthalten
  • Bierhefe Nahrungsergänzung 2.996Meiden, auch als Tablette
  • Spirulina Chlorella 1.077 bis 3.183Algenpulver sind extrem purinreich; meiden
  • Nori Algenblatt 592Getrocknet; ein Blatt (3 g) sind 18 mg
  • Olivenöl Rapsöl, Öl 0Purinfrei
  • Essig Apfelessig 0Purinfrei; als Harnsäuresenker nicht belegt
  • Gewürze und Kräuter ≈ 0In Würzmengen frei

Bananen, Kiwi, Ananas, Zitrone: Obst bei Gicht

Ganzes Obst ist bei Gicht erlaubt: Bananen liegen bei 3 mg Purinen je 100 g, Kiwi, Erdbeeren, Ananas und Zitrusfrüchte bei 2. Die Sorge gilt der Fruktose, und die ist berechtigt für Säfte, Softdrinks und Trockenfrüchte, nicht für den Apfel, dessen Fruktose mit den Ballaststoffen langsam ankommt. Zitrone ebenfalls.

Tomaten (7 mg) gelten in Foren als Auslöser: 20 Prozent der Betroffenen nannten sie in einer Befragung als Trigger, messbar stieg die Harnsäure je zusätzlicher Portion pro Woche aber nur um 0,66 µmol/l. Keine Leitlinie rät ab; wer reproduzierbar Beschwerden hat, darf sie weglassen.

Käse und Eier bei Gicht

Beides ist frei. Käse liegt je nach Sorte zwischen 1 und 13 mg Purinen je 100 g, Eier bei null; die Regel „höchstens drei Eier pro Woche“ stammt aus der Cholesterindebatte, und die DGE nennt Eier 2023 ausdrücklich als Basis der empfohlenen ovo-lacto-vegetarischen Kost. Milchprodukte fördern zudem die Harnsäureausscheidung, und Butter ist purinfrei.

Hülsenfrüchte bei Gicht

Linsen, Bohnen und Kichererbsen darfst du essen. Getrocknet enthalten sie 170 bis 220 mg Purine je 100 g, nur isst niemand trockene Linsen: Gekocht bleiben rund 60 mg, Kichererbsen liegen bei 11, Kidneybohnen aus der Dose bei 23. Vor allem zeigen die Studien keine Gefahr: In der Kohorte mit 47.150 Männern erhöhte purinreiche Pflanzenkost das Risiko nicht, in Singapur senkten Soja und Hülsenfrüchte es um 14 bis 17 Prozent. Der Grund: Pflanzliche Purine bestehen überwiegend aus Adenin und Guanin, tierische aus Hypoxanthin, das die Harnsäure am stärksten treibt.

Die wichtigste Frage ist nicht, ob Spinat 50 Milligramm Purine hat, sondern ob dein Bier, dein Softdrink und deine Wurstsemmel durch etwas ersetzt werden, das du gern isst. Wer bei Gicht nur Verbote zählt, hält es sechs Wochen durch. Wer Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte und Gemüse als Gewinn sieht, hält es Jahre durch.

Joerg Hauke, Ernährungsexperte, fachliche Prüfung dieses Artikels

Welches Fleisch und welcher Fisch gehen?

Kein Fleisch und kein Fisch ist purinfrei, deshalb geht es um Portion und Häufigkeit: 100 bis 150 Gramm, zwei- bis dreimal die Woche, Fleischbrühe, Haut und Innereien streichen. Am wenigsten Purine liefern Schweinebauch (76 mg), Schnitzel (91), Lamm (94), Pute (96) und Rinderfilet (98); Hähnchenbrust (141), Hackfleisch (161, gebraten bis 250) und Steak (174) liegen höher. Beim Fisch ist Kabeljau mit 98 mg die erste Wahl, Lachs liegt bei 119 bis 250, Hering bei 140, Forelle bei 181; Sardinen, Sardellen und Muscheln ab 210 setzt die DGE zu Recht auf die Streichliste.

Frau richtet in einer hellen Küche eine Bowl mit Gemüse, Hummus, Feta und Eiern an
Die Basis bei Gicht, wie die DGE sie empfiehlt: Gemüse, Kartoffeln und Getreide, Milchprodukte und Eier, dazu Hülsenfrüchte. Fleisch und Fisch sind Beilage, nicht Mitte.
05 Trinken

Getränke bei Gicht: Bier, Wein, Cola, Kaffee und Wasser

Bei Getränken zählen Purine, Alkohol und Fruktose zusammen: Bier bringt Purine und Alkohol mit, der die Harnsäureausscheidung bremst, Softdrinks Fruktose, die in der Leber Harnsäure freisetzt, Kaffee und Milch nichts davon.

Wie viel Bier bei Gicht erlaubt ist

So wenig wie möglich. In der Kohorte mit 47.150 Männern stieg das Gichtrisiko je Bier am Tag (355 ml) um 49 Prozent, je Schnaps um 15, Wein zeigte keinen messbaren Effekt. Bier liefert rund 8,5 mg Purine je 100 ml, dunkles 13,5; ein halber Liter Pils bringt gut 40 mg plus Alkohol, der die Purinlast von Wurst und Steak in der Niere zurückhält. Akut erhöhen mehr als ein bis zwei alkoholische Getränke in 24 Stunden das Anfallsrisiko um 36 bis 51 Prozent.

Getränke-Check

Welches Getränk was mit der Harnsäure macht

Purine je 100 ml aus der USDA-Purindatenbank 2025 und Kaneko 2024; Wirkung nach den Kohorten von Choi 2004 bis 2010 und Neogi 2014.

Purine je 100 mlWirkung auf die HarnsäureUrteil
Bier (Pils, Lager)8,5 mgPurine plus Alkohol: Risiko je Bier am Tag plus 49 ProzentMeiden
Dunkles Bier, Export10,7 bis 13,5 mgMehr Stammwürze, mehr Purine, gleicher AlkoholMeiden
Weizenbier8,1 mgWie PilsMeiden
Alkoholfreies Bier2,9 mgEin Drittel der Purine, erhöht die Harnsäure akut um 4,4 Prozent (Bier: 6,5)Selten, kleine Menge
Radler3,6 mgHalber Alkohol, dazu Zucker aus der LimonadeMeiden
Wein, rot oder weiß1,6 mgKaum Purine; kein Effekt auf das Gichtrisiko, aber ab zwei Gläsern akutes AnfallsrisikoEin kleines Glas, nicht täglich
Spirituosen0,2 mgPurinfrei, aber Alkohol bremst die Ausscheidung: Risiko je Drink plus 15 ProzentMeiden
Cola, Limonade0 mgRund 10 g Zucker je 100 ml, davon die Hälfte Fruktose: zwei Gläser am Tag verdoppeln fast das RisikoMeiden
Cola Zero, Light0 mgKein Zucker, keine Purine, kein Zusammenhang mit Gicht in zwei KohortenGeht
Fruchtsaft, Orangensaft1,1 mg6 g Fruktose je 100 ml: ein Glas am Tag plus 41 Prozent Risiko bei FrauenSelten
Sauerkirschsaftetwa 2 mgKirschen in zwei Tagen: 35 Prozent weniger Anfälle in einer Beobachtungsstudie, im Test mit Konzentrat kein EffektKann, muss nicht
Kaffee, auch entkoffeiniertunter 1 mg4 bis 5 Tassen am Tag: 40 Prozent weniger Gicht bei Männern, ähnlich bei FrauenGeht
Schwarztee, Grüntee, Kräuterteeunter 2 mgKein Zusammenhang mit dem GichtrisikoGeht
Milch, Buttermilch0,2 mgFördert die Ausscheidung; höchster Milchkonsum: 44 Prozent weniger GichtGeht
Wasser0 mgVerdünnt den Urin, unterstützt die Niere; 2 bis 3 Liter empfehlen DGE und GichtligaBasis

Purinwerte: USDA-Purindatenbank 2025 (Bier, Mittel aus 38 Proben), Kaneko 2024 (Wein, Saft, Tee), Kaneko 2014 (Spirituosen). Wirkung: Choi 2004 (Lancet), Choi 2007, 2008, 2010, Neogi 2014, Yamamoto 2002, Zhang 2012, Stamp 2020.

Alkoholfreies Bier und Wein bei Gicht

Alkoholfreies Bier ist besser als Bier, aber nicht neutral: Es enthält laut USDA-Purindatenbank im Mittel 2,9 mg Purine je 100 ml, ein Drittel des normalen Biers, und die DGE zählt es zu den purinhaltigen Getränken. Ein Glas zum Essen ja, der Kasten im Keller nein. Wein liegt bei 1,6 mg, rot wie weiß, und schnitt in der Kohorte ohne erhöhtes Gichtrisiko ab, erhöhte in der 24-Stunden-Studie aber ab dem zweiten Glas das akute Risiko: ein kleines Glas zum purinarmen Essen ja, die Flasche zum Steak nicht.

Cola bei Gicht: auch Zero?

Zuckerhaltige Cola und Limonade enthalten keine Purine, aber rund 10 Gramm Zucker je 100 ml, die Hälfte davon Fruktose. In den Kohorten hatten Männer mit zwei Softdrinks am Tag ein um 85 Prozent höheres Gichtrisiko, Frauen ein 2,4-fach höheres. Cola Zero und andere Light-Getränke waren in beiden Studien nicht mit Gicht verbunden. Fruchtsaft ist flüssige Fruktose: Ein Glas am Tag erhöhte das Risiko bei Frauen um 41 Prozent, zwei Gläser verdoppelten es fast.

Kaffee bei Gicht

Kaffee darfst du trinken, die Daten sprechen sogar dafür: Männer mit vier bis fünf Tassen am Tag hatten ein 40 Prozent niedrigeres Gichtrisiko, ab sechs Tassen 59 Prozent, Frauen mit mehr als vier Tassen 57 Prozent. Entkoffeinierter Kaffee wirkte ähnlich, Tee und Koffein allein gar nicht, vermutet werden die Chlorogensäuren; Koffein wird nicht zu Harnsäure abgebaut. Das sind Beobachtungsdaten, keine Leitlinie empfiehlt Kaffee als Therapie.

Die 1-bis-2-Regel

Das IQWiG übersetzt die Studienlage so: Mehr als ein bis zwei alkoholische Getränke in 24 Stunden erhöhen das Risiko für einen Anfall. Ein Getränk heißt eine kleine Flasche Bier (0,33 l), ein kleines Glas Wein (0,1 l) oder ein doppelter Schnaps (4 cl).

Wie viel trinken? Zwei bis drei Liter am Tag, sofern medizinisch nichts dagegenspricht, so Gichtliga und DGE: Viel Flüssigkeit verdünnt den Urin und schützt vor Nierensteinen; fürs Anfallsrisiko ist der Nutzen kaum belegt. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee zählen, Softdrinks und Bier nicht; bei Herz- oder Nierenschwäche entscheidet die Praxis über die Menge.

06 Senken

Harnsäure senken: was wirklich wirkt und was nicht

„Harnsäure senken“ ist die zweithäufigste Suche rund um Gicht. Die ehrliche Reihenfolge nach Studienlage: Am meisten bringt es, Alkohol wegzulassen (bis 1,6 mg/dl) und bei Übergewicht langsam abzunehmen. Dann kommt das Ernährungsmuster, weniger Fleisch, mehr Pflanzen, Milchprodukte statt Wurst, kein Zucker im Glas: Die DASH-Kost senkte die Harnsäure im randomisierten Versuch um 0,35 bis 1,3 mg/dl und ging in einer Kohorte mit 44.444 Männern mit 32 Prozent weniger Gicht einher. Ganz am Ende stehen die Hausmittel. Über allem steht die S3-Leitlinie: Für viele reicht Ernährung nicht, dann sind Medikamente kein Versagen; Allopurinol senkt in Zieldosis um 2 bis 4 mg/dl.

Interaktiv

Wo liegt dein Harnsäurewert?

Tippe einen Bereich an oder gib den Wert aus deinem Befund ein (1 mg/dl sind rund 60 µmol/l). Gemessen wird am besten zwei Wochen nach einem Anfall, weil der Wert im Anfall oft falsch niedrig ist.

Noch kein Wert gewählt. Zur Orientierung: Löslichkeitsgrenze etwa 6,8 mg/dl, Therapieziel unter 6, bei Gichtknoten unter 5 mg/dl.

Abnehmen senkt die Harnsäure, aber langsam

Übergewicht ist nach der Veranlagung der stärkste Treiber, und Abnehmen wirkt wie ein Medikament in kleiner Dosis: Im systematischen Review sank die Harnsäure mit dem Gewicht um bis zu 2,8 mg/dl und in sechs von acht Studien nahmen die Anfälle ab, 5 Kilo weniger brachten 1,1 mg/dl. Entscheidend ist das Tempo: Crash-Diäten, Fasten und die Wochen nach einer Magen-OP lösen Anfälle aus, weil Ketonkörper die Ausscheidung blockieren. Ein halbes Kilo pro Woche ist das Maß (mehr im Artikel Abnehmen, zu Shakes im Artikel Mahlzeitenersatz).

Harnsäure senken Hausmittel: Kirschen, Apfelessig, Natron, Zitrone im Check

Kirschen sind das einzige Hausmittel mit Daten: In einer Beobachtungsstudie mit 633 Gichtpatient:innen war das Anfallsrisiko in den zwei Tagen nach dem Kirschenessen um 35 Prozent niedriger, mit Allopurinol um 75; der randomisierte Test mit Sauerkirschkonzentrat zeigte keinen Effekt. Apfelessig: null Studien. Natron macht den Urin basischer, was bei Harnsäure-Nierensteinen ärztlich genutzt wird, senkt die Harnsäure im Blut aber nicht. Zitronenwasser: eine kleine, nicht randomisierte Beobachtung. Ingwer, Kurkuma: keine belastbaren Studien. Vitamin C senkt um 0,23 mg/dl, klinisch belanglos; die Leitlinie rät von Präparaten ab.

Harnsäure sofort senken geht nicht, und es wäre nicht klug: Schnelle Schwankungen des Wertes, nach oben wie nach unten, lösen Anfälle aus, weil sich Kristalle aus den Depots lösen. Deshalb beginnt Allopurinol niedrig dosiert, in den ersten drei bis sechs Monaten mit Anfallsprophylaxe.

Wann Ernährung nicht reicht: Allopurinol und Co.

Die S3-Leitlinie empfiehlt eine dauerhafte Harnsäuresenkung bei mehr als einem Anfall im Jahr oder bei Gichtknoten; die amerikanische Leitlinie schon nach dem ersten Anfall bei eingeschränkten Nieren, Werten über 9 mg/dl oder Nierensteinen. Mittel der Wahl ist Allopurinol, begonnen mit 100 mg und gesteigert, bis der Wert unter 6 mg/dl liegt; Febuxostat ist die Alternative, bei Herzerkrankungen mit Vorsicht. Ernährung und Medikamente sind keine Alternativen: Wer beides macht, braucht oft weniger Dosis und hat seltener Anfälle. Nur mit Ernährung schafft es laut IQWiG „manchmal“.

Wie ein purinarmer Tag aussieht, der satt macht, zeigt ein Beispiel mit drei Gerichten: unter 120 mg Purinen, rund 85 Gramm Eiweiß, kein Gramm Fleisch, wie die DGE es empfiehlt.

Ein purinarmer Tag

Frühstück: Haferbrei mit Milch, Joghurt, Beeren und Walnüssen (31 mg Purine, 24 g Eiweiß). Mittag: Ofenkartoffeln mit Kräuterquark und Ofengemüse (62 mg, 32 g). Abend: Shakshuka mit zwei Eiern, Feta und Vollkornbrot (23 mg, 29 g). Zusammen rund 116 mg Purine und 1.680 kcal.

Der schwierigste Moment einer Umstellung ist nicht das Abendessen zu Hause, sondern der Mittag im Büro oder an der Raststätte: Dann landet die Leberkässemmel auf dem Teller, weil nichts anderes greifbar ist.

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Der Tag, an dem Verbotslisten scheitern: Mittag im Auto. Eine Mahlzeit ohne Fleisch, Wurst und Zucker, die schon im Kühlschrank stand, schließt genau diese Lücke.

Wer für solche Tage eine Mahlzeit im Kühlschrank hat, die ohne Fleisch, Fisch, Wurst und ohne Zucker im Getränk auskommt, hat die Lücke geschlossen, in der Verbotslisten sonst scheitern.

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07 Akut

Gichtanfall: was tun, was essen, was lassen

Wenn das Gelenk brennt, hilft keine Verbotsliste: Der akute Gichtanfall ist eine Entzündung, und die behandelt man entzündungshemmend. Die S3-Leitlinie nennt drei gleichrangige Mittel der ersten Wahl: Colchicin in niedriger Dosis, nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Kortison, meist Prednisolon 30 mg für fünf Tage; welches, entscheidet die Praxis.

Gichtanfall was tun: die ersten Stunden

Gelenk ruhigstellen, hochlagern, kühlen: Eispackung im Handtuch, 20 bis 30 Minuten, mehrmals täglich, die einzige nicht-medikamentöse Maßnahme mit Studienbeleg (randomisierte Studie: weniger Schmerz mit Eis). Trinke reichlich Wasser oder ungesüßten Tee, lass Alkohol weg, und nimm ein verordnetes Anfallsmedikament sofort, sonst noch heute in die Praxis oder zum ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117). Bessert sich nichts in 24 bis 72 Stunden, laut Leitlinie zurück in die Praxis.

Kühlen oder wärmen, Bewegung oder Ruhe?

Kühlen, und im Anfall Ruhe. Die S3-Leitlinie empfiehlt Ruhigstellen, Hochlagern und Kühlen mit Empfehlungsgrad B, die amerikanische ebenfalls; Wärme gehört in die Zeit zwischen den Anfällen, wenn ein Gelenk steif ist. Das entzündete Gelenk will nicht belastet werden, Überlastung zählt zu den selbstberichteten Auslösern. Nach dem Anfall ist regelmäßige Bewegung wieder Teil des Lebensstils, den alle Leitlinien empfehlen; dass Sport Anfälle verhindert, hat allerdings keine Studie gezeigt.

Medikamente im Anfall: drei Regeln

Kein ASS als Schmerzmittel, es kann die Harnsäure erhöhen; niedrig dosiertes ASS fürs Herz aber nicht absetzen. Laufende Harnsäuresenker nicht stoppen, Schwankungen lösen selbst Anfälle aus. Colchicin nur nach Anweisung: höchstens 2 mg am Tag und 6 mg pro Anfall, Überdosierungen sind lebensgefährlich.

Gichtanfall Ernährung: was essen, während es wehtut

Während des Anfalls gilt die Verbotsliste in der strengen Fassung: kein Fleisch, kein Fisch, keine Wurst, keine Brühe, kein Alkohol, keine Zuckergetränke. Was bleibt, ist genug: Kartoffeln, Reis, Nudeln, Brot, Gemüse, Obst, Milchprodukte, Eier. Die Purinlast der letzten zwei Tage ist laut einer Studie mit 633 Betroffenen der stärkste kurzfristige Auslöser. Weil Appetit oft fehlt, darf es einfach sein: Haferbrei, Kartoffelpüree mit Quark, Omelett, Gemüsesuppe ohne Fleischbrühe.

Wie lange dauert ein Gichtanfall?

Unbehandelt 3 bis 14 Tage, so die S3-Leitlinie, meist ist er nach 7 bis 10 Tagen vorbei; mit Medikamenten, früh begonnen, oft nach wenigen Tagen. Das Problem ist der nächste Anfall: Ohne Harnsäuresenkung folgte in einer klassischen Verlaufsstudie bei 62 Prozent innerhalb eines Jahres und bei 84 Prozent innerhalb von drei Jahren ein weiterer.

Warnzeichen

Gichtanfall oder etwas anderes?

Kein Warnzeichen. Ein bekannter Gichtanfall am üblichen Gelenk kann mit dem verordneten Anfallsmittel, Kühlen und Ruhe behandelt werden. Melde dich trotzdem in der Praxis, wenn es der zweite Anfall in diesem Jahr ist.

Wann zum Arzt, und zu welchem?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis: Sie behandelt den Anfall, bestimmt den Harnsäurewert und beginnt die Dauertherapie. Zur Rheumatologie überweist sie laut Leitlinie, wenn andere Gelenke als Zehe und Fuß betroffen sind, die Therapie nicht anschlägt oder die Diagnose unsicher ist. Sicher wird die Diagnose durch Kristalle in der Gelenkflüssigkeit; Ultraschall und eine spezielle Computertomografie zeigen Ablagerungen ebenfalls, das Röntgenbild erst spät.

08 Nachschlagen

Häufige Fragen zur Ernährung bei Gicht

Was darf man bei Gicht auf gar keinen Fall essen?

Eine absolute Liste gibt es nicht, aber eine kurze: Innereien wie Leber, Niere und Bries, Sardellen, Sardinen, Muscheln, Hefeextrakt, Brühwürfel und Bierhefe liefern über 200 mg Purine je 100 g. Dazu Bier, auch alkoholfreies, Spirituosen und zuckergesüßte Getränke. Alles andere ist Portionssache.

Welches Getränk senkt die Harnsäure?

Kaffee und Milch. Männer mit vier bis fünf Tassen Kaffee am Tag hatten in einer Kohorte 40 Prozent weniger Gicht, auch entkoffeiniert; der höchste Milchkonsum ging mit 44 Prozent weniger Gicht einher. Ein Getränk, das die Harnsäure akut messbar senkt, gibt es nicht.

Sind Bananen bei Gicht erlaubt?

Ja. Bananen enthalten 3 mg Purine je 100 g und gehören wie fast alles frische Obst zu den freien Lebensmitteln. Die Fruktose im ganzen Obst kommt langsam an und war in Kohorten nicht mit Gicht verbunden, anders als Fruchtsaft und Softdrinks.

Darf ich Tomaten bei Gicht essen?

Ja. Tomaten haben 7 mg Purine je 100 g. In einer Befragung nannten 20 Prozent der Betroffenen sie als Auslöser, der messbare Effekt auf die Harnsäure lag aber bei einem Hundertstel Milligramm je Deziliter pro Portion. Keine Leitlinie rät ab.

Sind Eier gut für Harnsäure?

Ja. Eier sind praktisch purinfrei und waren in einer Metaanalyse mit 16.760 Personen mit niedrigerer Harnsäure verbunden. Eine Obergrenze wegen Gicht gibt es nicht; die alte Regel „drei Eier pro Woche“ stammt aus der Cholesterindebatte. Die DGE nennt Eier als Teil der empfohlenen ovo-lacto-vegetarischen Kost.

Welche Süßigkeiten sind bei Gicht erlaubt?

Purinarm sind fast alle, von Gummibärchen bis Kuchen. Entscheidend ist der Zucker, weil Fruktose in der Leber Harnsäure freisetzt. Eine kleine Portion am Tag ist vertretbar, Zuckergetränke und Fruktosesirup nicht. Am besten schneiden Zartbitterschokolade, ungezuckertes Popcorn und Salzstangen ab.

Kann Apfelessig den Harnsäurespiegel senken?

Dafür gibt es keine einzige Studie, ebenso wenig für Natron, Ingwer und Kurkuma; zu Zitronenwasser existiert nur eine kleine, nicht randomisierte Beobachtung. Belegt sind Alkoholverzicht, Gewichtsabnahme, ein pflanzenbetontes Ernährungsmuster und Medikamente wie Allopurinol. Apfelessig schadet in kleinen Mengen nicht, senkt aber nichts.

Ist bei Gicht Bewegung oder Ruhe besser?

Im Anfall Ruhe: Gelenk schonen, hochlagern, kühlen, so die deutsche und die amerikanische Leitlinie. Zwischen den Anfällen ist regelmäßige Bewegung Teil des gesunden Lebensstils, der bei Übergewicht auch die Harnsäure senkt. Studien, die zeigen, dass Sport Gichtanfälle verhindert, gibt es nicht.

Quellen · 52 Quellen anzeigen
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  52. USDA FoodData Central, SR Legacy (April 2018): Energie und Protein des purinarmen Beispieltags
Gregor Aßlaber
Gregor AßlaberAutor · Redakteur Saturo

Gregor Aßlaber schreibt seit 2019 für Saturo über Ernährung. Für diesen Artikel hat er die S3-Leitlinie Gicht 2024, die Leitlinien aus Europa und den USA, die Purintabellen von Kaneko und der USDA sowie über 40 Studien ausgewertet und die Purinwerte für 130 Lebensmittel zusammengetragen.

Joerg Hauke
Joerg HaukeFachliche Prüfung · Ernährungsexperte

Joerg Hauke, Ernährungsexperte, hat die Inhalte am 23. September 2026 auf fachliche Richtigkeit geprüft: Purinwerte, Studienzahlen, Leitlinienempfehlungen und die Einordnung der Hausmittel. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Gichtanfall, bei Fieber oder mehreren entzündeten Gelenken bitte ärztlich abklären lassen; eine dauerhafte Harnsäuresenkung und ihre Dosis legt die Praxis fest.