NährstoffmangelEiner von 29 Artikeln zum Thema

Kaliummangel: Symptome, Ursachen und Behandlung

Muskelschwäche, Wadenkrämpfe, Herzstolpern und eine Müdigkeit, die kein Schlaf wegbekommt? Ein Kaliummangel entsteht selten am Teller. Meist geht das Kalium verloren: durch Erbrechen, Durchfall, Entwässerungstabletten oder Abführmittel. Welche Symptome typisch sind, warum es keinen Selbsttest gibt, welcher Blutwert zählt und was wirklich hilft.

Kaliumreiche Lebensmittel auf hellem Travertin: weiße Bohnen, Ofenkartoffeln, getrocknete Aprikosen, Spinat, Banane, Avocado, Lachs und Joghurt
19KKalium
Kaliumquellen im Überblick: weiße Bohnen, Ofenkartoffeln, getrocknete Aprikosen, Spinat, Banane, Avocado, Lachs und Joghurt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Tagesbedarf
4.000mg

Schätzwert der DGE für alle ab 15 Jahren und Schwangere, Stillende 4.400 mg. Die meisten Menschen in Deutschland erreichen ihn mit normaler Mischkost. Ein Mangel entsteht fast nie am Teller.

Jede:r Fünfte im Krankenhaus
20 %

So viele Klinikpatient:innen haben laut einem Review von 2018 einen zu niedrigen Kaliumwert, meist durch Erbrechen, Durchfall oder Medikamente. Unter Entwässerungstabletten ist der Mangel besonders häufig.

Der Wert, der zählt
3,5 mmol/l

Darunter sprechen Ärzt:innen von Hypokaliämie. Unter 2,5 mmol/l wird es gefährlich fürs Herz. Gemessen wird im Blut, einen Selbsttest für zu Hause gibt es nicht.

Der stille Partner
Magnesium

Bei mehr als der Hälfte der behandlungsbedürftigen Kaliummängel fehlt auch Magnesium. Solange das nicht ausgeglichen ist, bleibt der Kaliumwert niedrig, egal wie viel Kalium man nachfüllt.

01 Erkennen

Kaliummangel Symptome: Woran du ihn erkennst

Kalium ist der Strom im Körper. 98 % davon sitzen in den Zellen, vor allem in den Muskeln, nur ein winziger Rest schwimmt im Blut. Dieses Gefälle zwischen innen und außen ist es, was Nerven feuern und Muskeln zucken lässt, den Herzmuskel eingeschlossen. Deshalb zeigt sich ein Kaliummangel zuerst dort, wo Strom fließen muss: in den Beinen, im Darm, am Herzen. Und deshalb reicht schon eine kleine Verschiebung: Wandert nur ein Prozent des Kaliums von den Zellen ins Blut oder umgekehrt, ändert sich der Blutwert um die Hälfte. Wie stark die Beschwerden sind, hängt davon ab, wie tief der Wert sinkt und wie schnell. Die Liste hilft dir, dein Muster zu erkennen.

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Welche Anzeichen kennst du von dir?

Tippe an, was auf dich zutrifft. Du siehst dann, wie viele typische Anzeichen zusammenkommen.

Erste Anzeichen: Muskelschwäche, Krämpfe, Müdigkeit

Am Anfang steht fast immer die Muskulatur. Die Beine fühlen sich schwer an, Treppen werden anstrengend, nachts zieht die Wade. Das ist keine Einbildung: Ohne genug Kalium können die Muskelzellen den elektrischen Impuls nicht sauber weitergeben, sie ermüden schneller und verkrampfen leichter. Dazu kommt eine Erschöpfung, die sich mit Schlaf nicht bessert, weil der Körper auf Sparflamme läuft. Der Darm ist ebenfalls ein Muskel, und er reagiert mit Verstopfung; bei schwerem Mangel kann er ganz stillstehen. Sinkt der Wert weiter, wird aus der Schwäche eine Lähmung, die von den Beinen aufwärts wandert und im Extremfall die Atemmuskulatur erreicht. Das ist selten, aber es ist der Grund, warum ein ausgeprägter Kaliummangel ein Notfall ist und nicht mit einer Banane behandelt wird.

Frau massiert morgens auf der Bettkante ihre verkrampfte Wade: Wadenkrämpfe und Muskelschwäche sind frühe Anzeichen eines Kaliummangels
Wadenkrämpfe, die trotz Dehnen und Trinken wiederkommen: Die Muskelzellen melden einen Kaliummangel oft, bevor jemand an den Blutwert denkt.

Kaliummangel Symptome Herz: Herzstolpern und Rhythmusstörungen

Das Herz ist der Muskel, der am empfindlichsten auf Kalium reagiert, weil sein Takt komplett elektrisch gesteuert wird. Ein niedriger Wert macht die Herzzellen reizbarer: Es kommt zu Extraschlägen, die sich wie Stolpern oder Aussetzer anfühlen, zu Herzklopfen und im EKG zu typischen Veränderungen, die Ärzt:innen als U-Welle und abgeflachte T-Welle kennen. Bei schwerem Mangel drohen ernste Rhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern. Besonders gefährdet sind Menschen mit Herzschwäche, nach einem Herzinfarkt oder unter Digitalis-Präparaten, bei denen ein niedriger Kaliumwert die Wirkung des Medikaments verstärkt. Fachgremien empfehlen deshalb für Herzpatient:innen einen Kaliumwert im oberen Normalbereich, mindestens 4,0 mmol/l. Wer Herzstolpern hat und gleichzeitig Entwässerungstabletten nimmt oder gerade eine Magen-Darm-Infektion hinter sich hat, sollte den Wert zeitnah messen lassen.

Kaliummangel Symptome Frau

Die Symptome sind bei Frauen und Männern dieselben, es gibt keine weiblichen Kaliumsymptome. Unterschiedlich sind die Ursachen, und die verschieben sich mit dem Alter. Bei jüngeren Frauen stehen Abführmittel, Entwässerungstabletten zum Abnehmen und Essstörungen mit Erbrechen im Vordergrund; alle drei entziehen dem Körper massiv Kalium und werden in der Praxis selten von selbst erwähnt. In der Schwangerschaft kann starkes Erbrechen in den ersten Monaten den Wert drücken. Bei Frauen ab 60 ist die häufigste Ursache ein Blutdruckmedikament: Thiazid-Diuretika, die als Erstes verordnet werden, leiten Kalium über die Niere aus, und ein zweites Präparat gegen Verstopfung verstärkt den Verlust. Dazu gehört die Frage nach den Wassereinlagerungen, die viele stellen: Ein Kaliummangel selbst macht keine Ödeme. Aber die Situationen, in denen er entsteht, hängen oft mit Wasser zusammen. Wer wegen geschwollener Beine entwässert, verliert Kalium. Und beim Conn-Syndrom, einer Überproduktion des Hormons Aldosteron, treten Bluthochdruck, Kaliummangel und Flüssigkeitseinlagerung zusammen auf (Kapitel 2).

Wann zum Arzt

Bei Muskelschwäche oder Herzstolpern nach Erbrechen, Durchfall oder unter Entwässerungstabletten zeitnah in die Praxis, mit Kalium, Magnesium und EKG. Sofort in die Notaufnahme oder Notruf 112 bei Lähmungserscheinungen, Atemnot, anhaltendem Herzrasen oder Bewusstseinsstörungen. Wer Digitalis, Insulin oder Cortison nimmt oder eine Essstörung hat, nennt das beim Termin gleich mit.

Kaliummangel Symptome Psyche

Der Kopf läuft mit demselben Strom wie die Muskeln. Ein leichter Mangel zeigt sich dort als Antriebslosigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche, die meisten beschreiben es als bleierne Müdigkeit. Sinkt der Wert deutlich, kommen Apathie, gedrückte Stimmung und bei älteren Menschen Verwirrtheit dazu; das Review von Kardalas und Kolleg:innen führt bei schwerem Mangel auch Delir und Psychose auf. Wichtig ist die Reihenfolge: Psychische Beschwerden sind fast nie das einzige Zeichen eines Kaliummangels. Sie stehen neben Muskelschwäche, Krämpfen oder Herzstolpern, und oft ist die Ursache des Mangels selbst psychisch belastend, etwa eine Essstörung oder chronischer Alkoholkonsum. Wer sich seit Wochen ausgelaugt und gereizt fühlt und zu einer Risikogruppe gehört, lässt Kalium und Magnesium mitbestimmen, wenn ohnehin Blut abgenommen wird. Bei einer Depression ohne diese Begleiter ist ein Kaliummangel nicht die Erklärung.

Kaliummangel Selbsttest: Geht das zu Hause?

Nein. Es gibt keinen Urinstreifen, keinen Speicheltest und kein Gerät für zu Hause, das den Kaliumwert misst; Angebote, die das versprechen, messen etwas anderes. Der Wert wird im Blutserum bestimmt, in jeder Hausarztpraxis, innerhalb eines Tages, und bei begründetem Verdacht zahlt die Krankenkasse. Was du selbst tun kannst, ist die Situation ehrlich einschätzen: Die Checkliste oben zeigt, ob mehrere typische Zeichen zusammenkommen, und die Frage nach Verlusten (Erbrechen, Durchfall, Abführmittel, Entwässerungstabletten, Alkohol) entscheidet, wie dringend die Messung ist. Was du nicht tun solltest: vorher auf Verdacht Kaliumtabletten nehmen. Sie heben den Wert, ohne die Ursache zu klären, und bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bestimmten Blutdruckmedikamenten machen sie aus dem Mangel schnell einen gefährlichen Überschuss (Kapitel 5).

02 Ursachen

Kaliummangel Ursachen: Woher der Mangel kommt

Es gibt drei Wege in den Kaliummangel: zu wenig rein, zu viel raus, oder das Kalium wandert aus dem Blut in die Zellen. Der erste Weg ist in Deutschland die Ausnahme. Kalium steckt in fast allen Lebensmitteln, und laut Nationaler Verzehrsstudie lag die mittlere Zufuhr bei 3.612 mg (Männer) und 3.140 mg (Frauen) am Tag; die neuere Schätzung über die Urinausscheidung aus der DEGS1-Studie liegt sogar bei 4.300 und 3.900 mg. Die DGE schreibt es ausdrücklich: Ein Mangel durch geringe Zufuhr ist selten. Fast immer sind es Verluste über Darm oder Niere, oft mit Medikamenten als Auslöser, oder eine Verschiebung in die Zellen. Wie viel du überhaupt brauchst, hängt vom Alter ab.

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Wie viel Kalium brauchst du pro Tag?

1100mg pro Tag

Kind 1–3 Jahre: Kleinkinder brauchen 1.100 mg, 4- bis 6-Jährige 1.300 mg, 7- bis 9-Jährige 2.000 mg, 10- bis 12-Jährige 2.900 mg und 13- bis 14-Jährige 3.600 mg (DGE). Obst, Kartoffeln und Milch decken das ohne Planung.

Erbrechen, Durchfall, Abführmittel: Verluste über den Darm

Der Darm scheidet normalerweise nur etwa 5 % des Kaliums aus, den Rest übernimmt die Niere. Bei Durchfall kippt das: Jeder Liter Stuhlwasser nimmt Kalium mit, und nach ein paar Tagen Magen-Darm-Infekt oder bei chronischen Darmerkrankungen wird daraus ein messbarer Mangel. Abführmittel wirken genauso, nur dauerhaft; der regelmäßige Griff zu Bisacodyl, Senna und Co. ist eine der häufigsten versteckten Ursachen. Beim Erbrechen ist der Mechanismus überraschend: Im Erbrochenen selbst steckt wenig Kalium. Aber mit der Magensäure geht Chlorid verloren, das Blut wird basisch, und die Niere reagiert darauf, indem sie Kalium in den Urin abgibt. Wer sich über Tage übergibt, ob bei einem Infekt, in der Schwangerschaft oder bei einer Essstörung, verliert das Kalium also über die Niere, nicht über den Mund. Das erklärt auch, warum der Wert nach dem Erbrechen noch weiter sinken kann.

Stress und Schwitzen

Beides wird oft als Ursache genannt, beides taugt selten dazu. Stresshormone wie Adrenalin verschieben Kalium kurzzeitig in die Zellen, der Wert erholt sich von selbst. Schweiß enthält nur wenig Kalium; erst tagelanges starkes Schwitzen bei Hitze oder Ausdauersport summiert sich, und dann meist zusammen mit Durchfall oder zu wenig Essen. Wer nach dem Training Krämpfe hat, hat in der Regel kein Kaliumproblem (Kapitel 7).

Kaliummangel durch Medikamente: Diuretika, Cortison, Insulin

Die häufigste Ursache in der Hausarztpraxis sind Entwässerungstabletten. Thiazide wie Hydrochlorothiazid und Schleifendiuretika wie Furosemid schwemmen Natrium und Wasser aus, und mit ihnen Kalium; das Review von Kardalas beziffert den Anteil der Diuretika-Patient:innen mit niedrigem Wert auf bis zu 80 %. Deshalb wird bei dieser Therapie der Kaliumwert routinemäßig kontrolliert, und oft wird ein kaliumsparendes Mittel dazukombiniert. Cortison und verwandte Präparate wirken über denselben Nierenmechanismus wie das Hormon Aldosteron und treiben Kalium aus. Insulin und Asthmasprays mit Beta-2-Mimetika verschieben Kalium aus dem Blut in die Zellen; in der Notfallmedizin nutzt man genau diesen Effekt, um einen zu hohen Wert zu senken. Weitere Kandidaten sind hochdosierte Penicilline, das Antipilzmittel Amphotericin B und Abführmittel. Und dann ist da noch die Lakritze: Ihr Wirkstoff Glycyrrhizin blockiert in der Niere ein Enzym, das Cortisol normalerweise unschädlich macht. Cortisol wirkt dann wie Aldosteron, die Niere wirft Kalium raus, der Blutdruck steigt.

Alkohol, Essstörungen, Magnesiummangel

Bei Alkohol kommen mehrere Wege zusammen: einseitige Ernährung, Erbrechen, Durchfall, eine geschädigte Niere und fast immer ein Magnesiummangel. Deshalb ist ein niedriger Kaliumwert bei Menschen mit hohem Alkoholkonsum eher Regel als Ausnahme. Bei Essstörungen sind es Erbrechen, Abführmittel und Entwässerungstabletten, oft kombiniert und verschwiegen; ein unerklärlich niedriger Kaliumwert bei einer jungen, schlanken Patientin ist für Ärzt:innen ein Hinweis, nachzufragen. Gefährlich wird es auch beim Gegenteil, dem Wiederaufbau nach längerem Hungern: Beim Refeeding-Syndrom zieht der plötzlich ausgeschüttete Insulinstrom Kalium, Phosphat und Magnesium in die Zellen, der Blutwert stürzt ab. Deshalb wird Ernährung nach Hungerphasen unter Kontrolle langsam aufgebaut. Und das Magnesium: Mehr als die Hälfte der behandlungsbedürftigen Kaliummängel gehen mit einem Magnesiummangel einher. Fehlt Magnesium in den Nierenzellen, öffnen sich dort die Kaliumkanäle, und das Kalium läuft in den Urin, egal wie viel man nachfüllt. Wer den Kaliumwert nicht hochbekommt, misst als Erstes Magnesium.

Nieren, Hormone, seltene Ursachen

  • Conn-Syndrom: Die Nebenniere produziert zu viel Aldosteron, die Niere wirft Kalium raus und hält Natrium fest. Typisch ist Bluthochdruck, der auf Medikamente schlecht anspricht, plus niedriges Kalium. Wird oft jahrelang übersehen.
  • Cushing-Syndrom und hochdosiertes Cortison: derselbe Mechanismus über Cortisol.
  • Schilddrüsenüberfunktion: treibt Kalium in die Zellen; bei manchen Menschen mit asiatischer Herkunft bis zur plötzlichen Lähmung.
  • Nierenerkrankungen: tubuläre Azidose, die Erholungsphase nach akutem Nierenversagen, seltene erbliche Syndrome wie Bartter und Gitelman, die wirken wie eine Dauertherapie mit Entwässerungstabletten.
  • Hypokaliämische periodische Lähmung: erblich, mit Anfällen von Muskelschwäche nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten oder Anstrengung.
  • Tonerde und Lehm: Bentonit bindet Kalium im Darm, ein Klassiker bei Ess-Sonderformen wie Pica.
03 Verstehen

So hält der Körper das Kalium im Gleichgewicht

Drei Stationen vom Teller bis zur Niere. Wer sie kennt, versteht, warum der Blutwert so wenig über den Vorrat sagt, warum Insulin und Adrenalin ihn verschieben und warum ohne Magnesium keine Kaliumtherapie funktioniert.

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Aufnahme und Vorrat

Kalium aus dem Essen wird im Dünndarm fast vollständig aufgenommen, rund 100 mmol am Tag, das sind etwa 4 g. Im Körper stecken etwa 3.500 mmol, 98 % davon in den Zellen, 80 % allein in den Muskeln. Im Blut schwimmt nur ein Bruchteil, und genau den misst das Labor. Der Blutwert ist deshalb ein Fenster, kein Kontostand: Er kann normal sein, während die Zellen schon leer laufen.

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Innen und außen

Das Gefälle zwischen viel Kalium in der Zelle und wenig draußen erzeugt die elektrische Spannung, mit der Nerven feuern und Muskeln arbeiten. Eine Pumpe in jeder Zellwand hält es aufrecht, angetrieben von Insulin und Adrenalin. Beide schieben Kalium in die Zellen: nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit, bei Stress, unter Asthmaspray. Weil nur ein Prozent Verschiebung den Blutwert halbiert, kann der Wert schwanken, ohne dass der Vorrat sich ändert.

3

Die Niere entscheidet

95 % des Kaliums verlassen den Körper über die Niere, 5 % über den Darm. Das Hormon Aldosteron gibt den Takt vor: Es lässt die Niere Natrium sparen und Kalium ausscheiden. Entwässerungstabletten, Cortison, Lakritz und das Conn-Syndrom drehen diesen Hahn auf. Und Magnesium ist der Riegel an den Kaliumkanälen der Niere: Fehlt es, stehen sie offen, und das Kalium läuft in den Urin, egal wie viel nachkommt.

04 Diagnose

Kaliumwert: So wird ein Kaliummangel festgestellt

Der Kaliumwert wird aus dem Blutserum bestimmt und in Millimol pro Liter angegeben; manche Labore schreiben mEq/l, das ist dieselbe Zahl. Normal sind 3,5 bis 5,0 mmol/l. Darunter beginnt die Hypokaliämie, und wie dringend sie ist, hängt weniger von der Zahl ab als von zwei Fragen: Gibt es Beschwerden, vor allem am Herzen oder an den Muskeln? Und wie schnell ist der Wert gesunken? Ein Wert von 3,2 nach drei Tagen Durchfall ist etwas anderes als 3,2 seit Jahren unter einer Entwässerungstablette. Die drei Stufen geben die Richtung vor.

Die drei Stufen des Kaliummangels

  1. 1 Leicht3,0–3,5 mmol/l

    Meist ohne Beschwerden, häufigster Befund. Ursache klären, Magnesium mitmessen, mit kaliumreicher Ernährung und bei Bedarf Tabletten ausgleichen. Kontrolle nach ein bis zwei Wochen.

  2. 2 Mittel2,5–3,0 mmol/l

    Muskelschwäche, Krämpfe und Verstopfung sind wahrscheinlich, im EKG können erste Veränderungen auftreten. Ärztlich behandeln, in der Regel mit Kaliumchlorid zum Einnehmen, bei Herzkranken engmaschig kontrollieren.

  3. 3 Schwer< 2,5 mmol/l

    Notfall. Lähmungen, Atemschwäche und lebensbedrohliche Rhythmusstörungen sind möglich. Behandlung im Krankenhaus mit Infusion unter EKG-Überwachung, Magnesium zuerst, wenn es fehlt.

Einteilung nach dem Review von Kardalas et al. (2018) und der Übersicht der American Academy of Family Physicians (2015). Bei Beschwerden am Herzen oder Lähmungserscheinungen zählt das Symptom, nicht die Stufe. Labore setzen teils eigene Normgrenzen, dann gelten die des Labors.

Was das Labor noch prüft: Magnesium, Urin, EKG

Ein niedriger Kaliumwert ist ein Befund, keine Diagnose. Der zweite Blick gilt dem Magnesium, weil ohne dessen Ausgleich kein Kalium im Körper bleibt; viele Labore melden es automatisch, wenn Kalium unter 2,8 liegt. Dann die Frage, wohin das Kalium verschwindet: Der Kaliumgehalt im Urin zeigt, ob die Niere zu viel ausscheidet (Diuretika, Aldosteron, Magnesiummangel) oder ob die Verluste über den Darm laufen (dann spart die Niere). Eine Blutgasanalyse verrät, ob das Blut basisch ist, wie nach Erbrechen oder unter Diuretika, oder sauer, wie bei Durchfall oder Nierenerkrankungen. Bei Bluthochdruck plus niedrigem Kalium gehören Renin und Aldosteron dazu, um ein Conn-Syndrom nicht zu übersehen. Und das EKG: Es zeigt, ob das Herz den Mangel schon spürt, und entscheidet damit, ob Tabletten reichen oder die Infusion nötig ist. Zwei Fallen kennt jedes Labor: Ein zu lange gestauter Arm oder kräftiges Faustpumpen bei der Blutabnahme lässt Kalium aus den Zellen austreten und täuscht einen zu hohen Wert vor; ein stark erhöhter Wert weißer Blutkörperchen kann das Gegenteil bewirken.

Hausärztin legt einer Patientin EKG-Elektroden an: Bei Kaliummangel zeigt das EKG, ob das Herz den niedrigen Wert schon spürt
Blutwert, Magnesium, Urin und ein EKG: Vier Untersuchungen, die klären, wie ernst der Kaliummangel ist und wo das Kalium hin verschwindet.

Kaliummangel Test: Wer den Wert bestimmen lassen sollte

Nicht jede:r braucht den Test, und ein Screening ohne Anlass bringt nichts, weil die Niere den Wert bei Gesunden stabil hält. Sinnvoll ist die Messung, wenn eine Verlustsituation mit Beschwerden zusammentrifft: Muskelschwäche oder Herzstolpern nach Tagen mit Erbrechen oder Durchfall, unter Abführmitteln, nach hohem Alkoholkonsum. Regelmäßig gemessen wird unter Entwässerungstabletten, Cortison, Digitalis und bei Herzschwäche, meist bei der ohnehin fälligen Blutkontrolle. Bluthochdruck, der trotz mehrerer Medikamente nicht sinkt, ist ein eigener Grund, Kalium zu messen. Und wer eine Essstörung hat oder hatte, sollte den Wert offen ansprechen; Ärzt:innen fragen nicht immer nach. Zu Hause messen geht nicht. Wer den Wert von der letzten Blutabnahme kennt, ist schon weiter als die meisten: Ein Wert um 4,0 ist gut, alles unter 3,5 gehört besprochen.

Vor dem Test

Keine Kaliumtabletten oder Elektrolytpräparate in den Tagen davor, sie heben den Wert und verdecken die Ursache. Medikamentenliste mitbringen, auch Abführmittel, Asthmaspray und Nahrungsergänzung. Und beim Abnehmen nicht mit der Faust pumpen: Das lässt Kalium aus den Muskelzellen austreten und macht den Wert falsch hoch.

05 Behandlung

Kaliummangel beheben: Was wirklich hilft

Die Behandlung hat immer zwei Teile: die Ursache abstellen und den Vorrat auffüllen. Wer nur auffüllt, während die Entwässerungstablette weiterläuft oder das Magnesium fehlt, füllt ein Fass ohne Boden. Bei einem leichten Mangel nach einem Infekt reicht es oft, den Verlust zu stoppen und ein paar Tage kaliumreich zu essen. Ab einem mittleren Mangel oder bei anhaltenden Verlusten verordnen Ärzt:innen Kaliumchlorid zum Einnehmen, typischerweise 40 bis 100 mmol am Tag, also 1,5 bis 4 g Kalium, über Tage bis Wochen; zur Vorbeugung unter Diuretika reichen meist 20 mmol. Ein schwerer Mangel mit Herzsymptomen oder Lähmungen wird im Krankenhaus per Infusion behandelt, langsam, in der Regel 10 mmol pro Stunde, unter EKG-Kontrolle, weil zu schnelles Kalium das Herz genauso gefährdet wie zu wenig. Fehlt Magnesium, wird es zuerst gegeben.

Was hilft schnell bei Kaliummangel?

Die ehrliche Antwort: Bei einem echten, gemessenen Mangel hilft Essen allein nicht schnell genug. Eine Banane liefert etwa 430 mg Kalium, das sind 11 mmol; ein mittlerer Mangel entspricht einem Defizit von mehreren Hundert Millimol im Körper. Schnell wirkt Kaliumchlorid, als Brausetablette oder Retardkapsel, weil es hoch dosiert und vollständig aufgenommen wird; der Blutwert steigt innerhalb von Tagen. Am schnellsten wirkt die Infusion, und die gehört ins Krankenhaus. Was du selbst sofort tun kannst: den Verlust stoppen. Kein Abführmittel, keine Entwässerungstablette ohne Rücksprache, kein Lakritz, Durchfall und Erbrechen behandeln und dabei nicht nur Wasser trinken, sondern eine Elektrolytlösung oder eine Brühe mit Kartoffeln und Gemüse. Bei einem leichten Mangel ohne Beschwerden ist das zusammen mit kaliumreicher Kost oft schon die Therapie.

Ein niedriger Kaliumwert braucht zuerst zwei Dinge: die Ursache und den Magnesiumwert. Nicht die Banane, und schon gar nicht Kaliumtabletten auf eigene Faust. Die sind der sicherste Weg, aus einem Mangel einen gefährlichen Überschuss zu machen.

Michael Pohlmann, Ernährungswissenschafter, fachliche Prüfung dieses Artikels

Kaliumtabletten: Wann sinnvoll, wann gefährlich

Es gibt zwei Welten. Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel dürfen nach dem Vorschlag des Bundesinstituts für Risikobewertung höchstens 500 mg Kalium pro Tagesdosis enthalten, ein Achtel des Tagesbedarfs; für einen echten Mangel sind sie zu schwach, für Gesunde überflüssig, weil die DGE ausdrücklich festhält, dass eine Zufuhr über den Schätzwert hinaus keinen Nutzen hat. Rezeptpflichtige Kaliumpräparate liefern meist 40 mmol pro Brausetablette, das ist das Dreifache der BfR-Grenze, und genau deshalb sind sie Sache der Ärztin: Bei eingeschränkter Nierenfunktion, unter ACE-Hemmern, Sartanen, Spironolacton oder Kalium sparenden Diuretika kann der Wert kippen, und ein zu hoher Kaliumwert ist fürs Herz mindestens so gefährlich wie ein zu niedriger. Deshalb gehört zur Kaliumtherapie immer die Kontrolle, und deshalb sollten Mono-Präparate laut DGE nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Wer Krämpfe hat und keinen gemessenen Mangel, ist mit Magnesium und Dehnen besser beraten als mit Kalium aus dem Regal.

  1. Tag 0 Messen, Ursache, Magnesium

    Kalium, Magnesium, bei Herzstolpern EKG. Medikamente durchgehen, nach Abführmitteln, Lakritz und Alkohol fragen. Bei Herzsymptomen oder Lähmung sofort behandeln.

  2. Tag 1–7 Auffüllen

    Verlust stoppen, Magnesium ausgleichen, Kaliumchlorid nach ärztlicher Dosis oder bei leichtem Mangel kaliumreich essen. Der Blutwert reagiert innerhalb weniger Tage.

  3. Woche 1–2 Kontrolle

    Wert nachmessen. Ist er normal und die Ursache weg, endet die Therapie. Läuft die Entwässerungstablette weiter, wird die Dauerlösung festgelegt: Kaliumsparer dazu, niedrigere Dosis oder Dauer-Ersatz.

  4. Danach Halten

    Kaliumreiche Ernährung, kein Abführmittel ohne Not, Kontrolle bei jeder Blutabnahme unter Diuretika, Cortison oder Digitalis. Bei Conn-Syndrom, Bartter oder Gitelman: Therapie der Grunderkrankung, oft lebenslang.

Wie lange dauert es, bis der Kaliummangel behoben ist?

Das Blut ist schnell wieder normal, der Körper braucht länger. Nach einem Infekt mit leichtem Mangel ist der Wert oft innerhalb einer Woche wieder über 3,5, sobald Durchfall oder Erbrechen aufhören und normal gegessen wird. Unter Kaliumchlorid steigt der Blutwert innerhalb von Tagen, die Zellspeicher füllen sich über Wochen, deshalb wird die Einnahme meist noch fortgesetzt, wenn das Labor schon Entwarnung gibt. Bei anhaltenden Verlusten, etwa unter einer Dauertherapie mit Entwässerungstabletten, ist der Mangel nicht behoben, sondern gemanagt: Der Ersatz läuft mit, solange das Medikament läuft. Und bei einem Magnesiummangel gilt die Reihenfolge Magnesium zuerst, sonst bleibt der Kaliumwert trotz Tabletten niedrig und die Behandlung zieht sich über Monate. Muskelschwäche und Krämpfe bessern sich in der Regel parallel zum Blutwert, Herzrhythmusstörungen ebenfalls, sofern das Herz nicht anderweitig krank ist.

Nicht auf eigene Faust

Wer ACE-Hemmer, Sartane, Spironolacton, Eplerenon, Triamteren oder Amilorid nimmt, eine Nierenschwäche oder Diabetes mit Nierenbeteiligung hat, nimmt Kaliumpräparate und kaliumhaltige Salzersatzprodukte nur nach Rücksprache. Hier ist der Überschuss die größere Gefahr als der Mangel.

06 Ernährung

Kalium Lebensmittel: Was viel Kalium enthält

Kalium steckt in fast allem, was wächst, und in allem, was Muskeln hat. Die dichtesten Quellen sind Trockenfrüchte, Nüsse und Kerne, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, grünes Blattgemüse und Fisch. Im Alltag zählt aber die Menge auf dem Teller: Laut Nationaler Verzehrsstudie kommt in Deutschland das meiste Kalium aus alkoholfreien Getränken, vor allem Kaffee, danach aus Brot, Obst und Milchprodukten, nicht weil sie besonders reich sind, sondern weil wir viel davon konsumieren. Das Ranking zeigt beide Seiten, pro 100 g und so, wie es gegessen wird: Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Gemüse gekocht, Fleisch und Fisch gegart, Nüsse und Trockenfrüchte trocken. Die Werte stammen aus der US-Nährwertdatenbank USDA, weil sie Zubereitungsarten getrennt ausweist.

Kalium pro 100 g: Top 10 pflanzlich und tierisch

  1. Aprikosen (getrocknet): 1162 mg
  2. Pistazien (geröstet): 1007 mg
  3. Kürbiskerne: 809 mg
  4. Mandeln: 733 mg
  5. Zartbitterschokolade 70–85 %: 715 mg
  6. Datteln (Medjool): 696 mg
  7. Weiße Bohnen (gekocht): 561 mg
  8. Mangold (gekocht): 549 mg
  9. Ofenkartoffel mit Schale: 535 mg
  10. Sojabohnen (gekocht): 515 mg

Werte pro 100 g gekocht bzw. trocken, USDA FoodData Central SR Legacy. Trockenfrüchte und Nüsse führen die Liste an, weil das Wasser fehlt; in Portionen gerechnet holen die Sattmacher auf: 200 g Ofenkartoffel 1.070 mg, 200 g gekochte weiße Bohnen 1.122 mg, 200 g gekochte Linsen 738 mg, 150 g gekochter Spinat 700 mg, eine halbe Avocado (100 g) 485 mg, eine Banane (120 g) 430 mg, 30 g Kürbiskerne 243 mg, 50 g getrocknete Aprikosen 581 mg. Zum Vergleich: 200 g gekochte Nudeln 88 mg, 200 g gekochter Reis 70 mg.

In welchem Getränk ist viel Kalium?

Kaliumreiche Getränke sind vor allem das, was aus Gemüse und Obst gepresst wird: Karottensaft liegt bei 292 mg pro 100 ml, Kokoswasser bei 165 bis 250 mg je nach Frische, Tomatensaft bei 217 mg, Orangensaft bei 200 mg. Ein Glas Karottensaft (200 ml) bringt also fast 600 mg, so viel wie eine große Banane und eine halbe Avocado zusammen. Milch liefert 140 mg pro 100 ml, Kefir und Buttermilch ähnlich viel. Kaffee ist mit 49 mg pro 100 ml kein Kaliumkonzentrat, kommt aber durch die Menge auf einen Beitrag: drei Tassen am Tag sind rund 200 mg, und in der Verzehrsstudie ist Kaffee deshalb die größte Einzelquelle. Wasser, auch Mineralwasser, enthält so gut wie kein Kalium. Bei Durchfall oder Erbrechen sind Säfte pur wegen des Zuckers keine gute Idee; eine verdünnte Saftschorle mit einer Prise Salz oder eine Elektrolytlösung aus der Apotheke ersetzen Kalium und Natrium gleichzeitig.

Die Banane 430 mg

liefert eine mittelgroße Banane, etwa 11 % des Tagesbedarfs. Als Kaliumquelle solide, als Therapie bei einem gemessenen Mangel ein Tropfen auf den heißen Stein

Der Teller ≈ 2.000 mg

kommen zusammen mit 200 g Ofenkartoffel, 150 g Naturjoghurt, einer Banane und 30 g Mandeln: die Hälfte des Tagesbedarfs aus vier Alltagszutaten

Kaliumreiche Lebensmittel auf hellem Untergrund: Ofenkartoffeln, weiße Bohnen, getrocknete Aprikosen, Avocado, Banane, Mandeln, Lachs, Joghurt und Spinat
Kartoffeln und Hülsenfrüchte statt Nudeln und Reis, dazu Obst, Nüsse und einmal die Woche Fisch: Mehr braucht es bei gesunden Nieren nicht.

Was die Versorgung fördert und was sie bremst

Beim Kalium geht es weniger um Kombinationen auf dem Teller als um zwei Fragen: Kommt genug rein, und läuft es hinten wieder raus? Die Liste zeigt, worauf es ankommt.

Fördert die Versorgung
  • Kartoffeln und Hülsenfrüchte als Beilage: 200 g Ofenkartoffel bringen zwölfmal so viel Kalium wie 200 g Nudeln
  • Schonend garen: Kalium ist wasserlöslich und geht beim Kochen in viel Wasser ins Kochwasser über; dämpfen, im Ofen garen oder das Wasser als Suppe nutzen
  • Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag: Das ist der Weg, über den die DGE-Beispieltage auf 4.000 mg kommen
  • Trockenfrüchte, Nüsse und Kerne als Snack: 30 g Kürbiskerne oder eine Handvoll getrocknete Aprikosen ersetzen den Schokoriegel und liefern 250 bis 600 mg
  • Bei Durchfall und Erbrechen Elektrolytlösung statt nur Wasser: Sie ersetzt Kalium und Natrium, während der Verlust noch läuft
Bremst die Versorgung
  • Entwässerungstabletten und Cortison ohne Kaliumkontrolle: Die Niere scheidet mehr aus, als der Teller liefern kann
  • Abführmittel, auch pflanzliche wie Senna: Jeder Durchfall nimmt Kalium mit, bei täglichem Gebrauch dauerhaft
  • Lakritz in Mengen: Glycyrrhizin lässt die Niere Kalium ausscheiden; über 100 mg am Tag gelten als zu viel
  • Alkohol regelmäßig und viel: schlechte Ernährung, Erbrechen und Magnesiummangel in einem
  • Magnesiummangel: Ohne Magnesium bleibt das Kalium nicht im Körper, egal wie viel man isst

Quellen: DGE-FAQ Kalium, Nationale Verzehrsstudie II, Kardalas 2018, Huang & Kuo 2007, SCF 2003.

Kalium im Alltag: Trinkmahlzeiten und Fertiggerichte

Stark verarbeitete Lebensmittel haben ein Kaliumproblem in beide Richtungen: Beim Verarbeiten geht Kalium verloren, und Salz kommt dazu. Wer viel davon isst, liegt bei Kalium unten und bei Natrium oben, und genau dieses Verhältnis treibt den Blutdruck. Bei Trinkmahlzeiten mit definierten Nährstoffmengen ist das anders, weil die Mineralstoffe zur Rezeptur gehören: Eine Flasche Saturo liefert je nach Sorte 457 bis 883 mg Kalium, also 23 bis 44 % der Referenzmenge von 2.000 mg, dazu Magnesium und Calcium. Die Sorte Cocoa liegt vorne, weil Kakao von Natur aus kaliumreich ist. Kein Ersatz für eine Behandlung bei nachgewiesenem Mangel, aber ein planbarer Beitrag an Tagen, an denen Kartoffeln, Bohnen und Obst nicht auf dem Plan stehen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion gilt auch hier: erst mit der Ärztin klären, wie viel Kalium am Tag erlaubt ist.

Trinkmahlzeit 6 x 400 ml
Aus dem Saturo-Sortiment

Trinkmahlzeit: eine vollwertige Mahlzeit aus der Flasche

26 Vitamine und Mineralstoffe, darunter Kalium, Magnesium und Calcium. Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Referenzwert für Kalium: 2.000 mg pro Tag (NRV). Für Tage, an denen Kochen nicht auf dem Plan steht.

26Vitamine & Mineralstoffe
36 gProtein
400kcal
883 mgKalium pro Flasche44 % der Referenzmenge
Sorte wählen
€4,39pro Mahlzeit
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Gut zu wissen

Kaliumsalz, also Speisesalz, bei dem ein Teil des Natriums durch Kalium ersetzt ist, hat in einer großen Studie in China mit fast 21.000 Teilnehmenden die Schlaganfallrate um 14 % gesenkt. Für Gesunde mit hohem Blutdruck ist es eine einfache Stellschraube. Für Menschen mit Nierenschwäche oder unter ACE-Hemmern, Sartanen und Spironolacton ist es tabu, weil hier zu viel Kalium die Gefahr ist.

07 Sonderfälle

Bluthochdruck, Sport, ab 60, Nieren: Wer besonders aufpassen muss

Kaliummangel und Blutdruck

Kalium und Natrium sind Gegenspieler, und der Blutdruck hängt am Verhältnis der beiden. Wer mehr Kalium isst, scheidet mehr Natrium aus, die Gefäße entspannen sich. Die Evidenz dafür ist solide: In der Meta-Analyse von Aburto und Kolleg:innen im British Medical Journal senkte eine höhere Kaliumzufuhr den oberen Blutdruckwert um durchschnittlich 3,5 mmHg, bei Menschen mit Bluthochdruck deutlich stärker, und ging in Kohortenstudien mit einem um 24 % niedrigeren Schlaganfallrisiko einher. Auf dieser Grundlage empfiehlt die WHO mindestens 3.510 mg am Tag, und die DGE hat 2016 ihren Schätzwert auf 4.000 mg angehoben. Mehr ist aber nicht besser: Eine Dosis-Wirkungs-Analyse von 2020 zeigt, dass der Effekt ab etwa 30 mmol zusätzlich am Tag abflacht und bei sehr hohen Mengen unter Blutdruckmedikamenten sogar umkehren kann. Zwei Sonderfälle: Bluthochdruck, der trotz drei Medikamenten nicht sinkt, kombiniert mit niedrigem Kalium, ist der klassische Hinweis auf ein Conn-Syndrom. Und wer wegen Bluthochdruck ein Thiazid nimmt, hat den häufigsten Kaliumräuber im Medikamentenschrank.

Älterer Mann misst am Küchentisch seinen Blutdruck, daneben ein Tablettendosierer: Entwässerungstabletten gegen Bluthochdruck sind die häufigste Ursache für Kaliummangel ab 60
Blutdruckmedikament und Kaliumwert gehören zusammen: Wer ein Thiazid nimmt, lässt Kalium bei jeder Blutkontrolle mitmessen.

Sport und Schwitzen

Der Wadenkrampf nach dem Lauf ist fast nie ein Kaliummangel. Schweiß enthält viel Natrium und nur wenig Kalium, und bei Belastung wandert Kalium sogar kurzzeitig aus den Muskelzellen ins Blut, der Wert steigt eher, als dass er sinkt. Erst bei tagelangem starkem Schwitzen, bei Hitze, Ultra-Ausdauer oder Marathonvorbereitung im Sommer summieren sich die Verluste, und dann fast immer zusammen mit zu wenig Essen oder Magen-Darm-Problemen. Wer nach dem Sport regelmäßig Krämpfe hat, prüft zuerst Flüssigkeit, Salz und Magnesium und die Belastungssteigerung. Ein Sonderfall sind Sportler:innen, die zum Gewichtmachen entwässern oder abführen, im Kampfsport, Bodybuilding oder Rudern: Das ist eine der wenigen Situationen, in denen ein sportlicher, junger Mensch mit einem gefährlich niedrigen Kaliumwert in der Notaufnahme landet.

Ab 60: Medikamente, Darm und Herz

Im Alter treffen die Ursachen aufeinander. Ein Thiazid gegen den Blutdruck, ein Abführmittel gegen die Verstopfung, weniger Appetit, dazu vielleicht Cortison oder Digitalis: Jedes davon senkt Kalium, zusammen tun sie es zuverlässig. Gleichzeitig ist das ältere Herz empfindlicher für Rhythmusstörungen, und Muskelschwäche wird für normales Altern gehalten. Die Frau um 60 mit Herzstolpern, schweren Beinen und Verstopfung, die seit einem Jahr ein Blutdruckmedikament nimmt, ist der Klassiker, und die Lösung ist eine Blutabnahme. Die andere Seite gilt genauso: Wer ACE-Hemmer, Sartane oder Spironolacton nimmt, wie viele Herzpatient:innen, hat eher zu viel Kalium als zu wenig, und für ihn sind Kaliumpräparate und Salzersatz tabu. Ab 60 gilt deshalb: Kalium bei jeder Blutkontrolle mitmessen lassen und den Wert kennen. Zwischen 4,0 und 4,5 mmol/l ist für ein Herz mit Vorerkrankung der beste Bereich.

Zu hoch ist genauso gefährlich

Ein Kaliumwert über 5,0 mmol/l, die Hyperkaliämie, macht dieselben Beschwerden wie der Mangel: Muskelschwäche, Kribbeln, Herzrhythmusstörungen. Er entsteht, wenn die Niere nicht mehr ausscheiden kann oder Medikamente sie daran hindern. Wer zu einer dieser Gruppen gehört, braucht keine kaliumreiche Ernährung, sondern einen Plan von der Ärztin.

Nieren, Diabetes, Herzschwäche: Wenn mehr Kalium gefährlich wird

Die Niere ist die einzige Instanz, die zu viel Kalium loswerden kann. Fällt sie aus, wird aus dem gesunden Mineralstoff ein Risiko: Bei chronischer Nierenschwäche legt die Ärztin oft eine Obergrenze für die tägliche Zufuhr fest, und die kaliumreichen Lebensmittel aus Kapitel 6 werden rationiert statt empfohlen. Bei Diabetes ist es komplizierter: Insulin schiebt Kalium in die Zellen, bei einer Entgleisung mit Ketoazidose ist der Blutwert erst hoch und stürzt unter der Insulintherapie ab, und langjähriger Diabetes schädigt die Niere. Bei Herzschwäche wird oft gefragt, ob Kalium gut sei: Ja, im richtigen Bereich. Ein niedriger Wert begünstigt Rhythmusstörungen, ein hoher auch, deshalb zielen Ärzt:innen auf 4,0 bis 5,0 mmol/l und steuern mit der Medikation. Für alle drei Gruppen gilt: kein Kaliumpräparat, kein Salzersatz und keine Ernährungsumstellung Richtung viel Kalium ohne Rücksprache.

Kaliummangel Folgen: Was passiert, wenn er bleibt

Ein leichter Mangel über Wochen bleibt meist ohne Folgen, sobald er ausgeglichen ist. Bleibt er länger oder wird er tief, drohen vier Dinge. Erstens Herzrhythmusstörungen, bei vorgeschädigtem Herzen bis zum plötzlichen Herztod. Zweitens der Muskelabbau: Bei schwerem Mangel können Muskelzellen zerfallen, die Rhabdomyolyse, die wiederum die Niere schädigt. Drittens die Niere selbst: Chronischer Kaliummangel stört ihre Fähigkeit, Urin zu konzentrieren, daher der Durst und die großen Urinmengen, und kann auf Dauer das Nierengewebe verändern. Viertens der Stoffwechsel: Kalium ist an der Insulinausschüttung beteiligt, ein Mangel verschlechtert die Blutzuckerkontrolle, ein Grund, warum Thiazide bei manchen Menschen den Blutzucker steigen lassen. Alle vier lassen sich mit einer rechtzeitigen Blutabnahme vermeiden.

08 Nachschlagen

Häufige Fragen zu Kaliummangel

Was raubt dem Körper Kalium?

Vor allem Verluste über Niere und Darm: Entwässerungstabletten (Thiazide, Furosemid), Cortison, Abführmittel, anhaltendes Erbrechen und Durchfall, hoher Alkoholkonsum und Lakritz in größeren Mengen. Dazu ein Magnesiummangel, der die Niere Kalium ausscheiden lässt, und Hormonstörungen wie das Conn-Syndrom. Insulin und Asthmasprays senken den Blutwert vorübergehend, indem sie Kalium in die Zellen verschieben. Kaffee, Stress und normales Schwitzen sind keine relevanten Kaliumräuber.

Was hilft schnell bei Kaliummangel?

Bei einem gemessenen Mangel wirkt Kaliumchlorid zum Einnehmen innerhalb von Tagen, bei schwerem Mangel die Infusion im Krankenhaus innerhalb von Stunden, beides ärztlich dosiert und kontrolliert. Essen allein ist zu langsam: Eine Banane liefert 430 mg, ein mittlerer Mangel entspricht einem Defizit von mehreren Gramm. Was sofort hilft, ist den Verlust zu stoppen und bei Durchfall oder Erbrechen eine Elektrolytlösung statt Wasser zu trinken.

Kann man Kaliummangel selber testen?

Nein. Es gibt keinen Heimtest, keinen Urinstreifen und keine App, die den Kaliumwert misst. Er wird im Blutserum bestimmt, in jeder Hausarztpraxis, das Ergebnis liegt meist am nächsten Tag vor. Ein Symptom-Check wie in Kapitel 1 zeigt nur, ob mehrere typische Anzeichen zusammenkommen und ob eine Verlustsituation vorliegt. Vor der Blutabnahme keine Kaliumpräparate nehmen, sie verfälschen das Ergebnis.

Welches Getränk erhöht den Kaliumspiegel?

Karottensaft (292 mg pro 100 ml), Kokoswasser (165 bis 250 mg), Tomatensaft (217 mg) und Orangensaft (200 mg) liefern am meisten, Milch 140 mg. Ein Glas Karottensaft bringt fast 600 mg. Bei einem echten Mangel ersetzt kein Getränk die Behandlung, und bei Durchfall ist eine Elektrolytlösung besser als purer Saft, weil sie auch Natrium ersetzt und weniger Zucker enthält.

Was sollte man bei Kaliummangel nicht essen?

Es gibt keine verbotenen Lebensmittel, aber drei Dinge, die den Mangel verstärken: Lakritz, weil Glycyrrhizin die Niere Kalium ausscheiden lässt; Alkohol in größeren Mengen; und eine Ernährung aus Fertigprodukten, Nudeln, Reis und Weißbrot, die viel Natrium und wenig Kalium liefert. Abführende Tees und Präparate zählen ebenfalls dazu. Gut sind Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse, Milchprodukte und Fisch.

Ist Schwitzen ein Symptom von Kaliummangel, und kann Stress ihn auslösen?

Schwitzen ist kein typisches Symptom; es kann Begleiter der Situation sein, die den Mangel auslöst, etwa Fieber mit Durchfall. Als Ursache taugt Schweiß nur bei tagelanger starker Belastung, weil er wenig Kalium enthält. Stress verschiebt Kalium über Adrenalin kurz in die Zellen, der Blutwert erholt sich von selbst; einen echten Mangel verursacht Stress nicht. Anders ist es, wenn Stress zu Essstörungen, Alkohol oder Abführmitteln führt.

Kann man Kalium bedenkenlos einnehmen?

Nein. Über Lebensmittel ist die Zufuhr bei gesunden Nieren laut DGE unbedenklich, Präparate sind es nicht: Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 500 mg pro Tag vor, und hochdosierte Kaliumpräparate gehören unter ärztliche Kontrolle. Gefährlich sind sie bei eingeschränkter Nierenfunktion und unter ACE-Hemmern, Sartanen, Spironolacton oder kaliumsparenden Diuretika, weil ein zu hoher Wert das Herz genauso bedroht wie ein zu niedriger. Ohne gemessenen Mangel haben Kaliumtabletten keinen Nutzen.

Kann Kaliummangel zu Gewichtszunahme oder Wassereinlagerungen führen?

Nicht direkt. Ein Kaliummangel macht weder dick noch Ödeme. Der Zusammenhang läuft über die Ursachen: Beim Conn-Syndrom sorgt zu viel Aldosteron gleichzeitig für Kaliumverlust, Wassereinlagerung und Bluthochdruck, und Lakritz wirkt ähnlich. Wer umgekehrt wegen geschwollener Beine Entwässerungstabletten nimmt, verliert dadurch Kalium. Wenn Wassereinlagerungen und ein niedriger Kaliumwert zusammen auftreten, gehört das ärztlich abgeklärt.

Quellen · 19 Quellen anzeigen
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GA
Gregor AßlaberAutor · Redakteur Saturo

Schreibt seit 2019 für Saturo über Ernährung, Nährstoffe und die Frage, wie gute Versorgung im Alltag praktisch funktioniert.

MP
Michael PohlmannFachliche Prüfung · Ernährungswissenschafter

Hat diesen Artikel am 11. September 2026 auf fachliche Richtigkeit geprüft. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.