NährstoffmangelEiner von 29 Artikeln zum Thema

Vitamin-B12-Mangel: Symptome, Ursachen und Behandlung

Kribbeln in den Händen, Vergesslichkeit, ständig müde? Ein Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich über Jahre und trifft die Nerven oft vor dem Blut. Welche Symptome typisch sind, warum der Gesamt-B12-Wert allein nicht reicht, wann Tabletten genügen und wer die Spritze braucht.

Vitamin-B12-reiche Lebensmittel auf Travertin: Miesmuscheln, Makrele, Hering, Rinderleber, Joghurt, Emmentaler, Eier, Milch und Sardinen
B12Cobalamin
Vitamin-B12-Quellen im Überblick: Muscheln, Leber, Makrele, Hering, Eier, Käse und Joghurt. Pflanzen liefern von Natur aus keines.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Tagesbedarf
4µg

Schätzwert der DGE für alle ab 13 Jahren, Schwangere 4,5 µg, Stillende 5,5 µg. Die übliche Mischkost in Deutschland liefert mehr, der Mangel entsteht meist im Magen, nicht auf dem Teller.

Jeder Vierte ab 65
27 %

So viele der 65- bis 93-Jährigen in der KORA-Age-Studie lagen unter 221 pmol/l. Mit dem Alter sinkt die Magensäure, und ohne sie kommt B12 nicht aus dem Essen heraus.

Speicher in der Leber
3–5 Jahre

So lange reichen die Vorräte, wenn plötzlich nichts mehr nachkommt. Deshalb kommt der Mangel schleichend, und deshalb wird er so spät bemerkt.

Der Wert, der zählt
Holo-TC

Das aktive B12 sinkt als Erstes. Unter 25 pmol/l gilt als Mangel, 25 bis 70 ist Graubereich, dann entscheidet die Methylmalonsäure. Der Gesamt-B12-Wert allein übersieht viele.

01 Erkennen

Vitamin-B12-Mangel Symptome: Woran du ihn erkennst

Vitamin B12 braucht der Körper an zwei Stellen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: im Knochenmark für neue rote Blutkörperchen und in den Nerven für die Isolierschicht der Nervenfasern. Deshalb hat der Mangel zwei Gesichter. Das eine ist die Blutarmut mit Müdigkeit und Blässe, das andere sind Kribbeln, Gangunsicherheit und Vergesslichkeit. Lange galt: Erst kommt die Anämie, dann die Nerven. Heute weiß man, dass es oft umgekehrt läuft. Die britische Leitlinie von 2024 formuliert es als Regel für Ärzt:innen: Ein normales Blutbild schließt einen B12-Mangel nicht aus. Die Liste hilft dir, dein Muster zu erkennen.

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Welche Anzeichen kennst du von dir?

Tippe an, was auf dich zutrifft. Du siehst dann, wie viele typische Anzeichen zusammenkommen.

Erste Anzeichen: Müdigkeit, Kribbeln, Vergesslichkeit

Am Anfang steht meist eine Erschöpfung, die sich mit Schlaf nicht bessert. Sie kommt von der Blutarmut: Ohne B12 teilen sich die Vorläuferzellen im Knochenmark nicht richtig, die roten Blutkörperchen werden zu groß und zu wenige, das Blut transportiert weniger Sauerstoff. Dazu passen Blässe, Herzklopfen und Kurzatmigkeit bei Anstrengung. Weil das über Monate schleichend passiert, gewöhnt sich der Körper daran, und viele merken erst im Rückblick, wie schlapp sie waren.

Die Nervensymptome beginnen fast immer an Füßen und Händen: Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheit, ein Gefühl wie Watte unter den Sohlen. Das ist die Polyneuropathie. Trifft es die Hinterstränge des Rückenmarks, wird das Gehen unsicher, besonders im Dunkeln, wenn die Augen die fehlende Tiefenwahrnehmung nicht mehr ausgleichen. Ärzt:innen nennen das funikuläre Myelose. Im Kopf zeigt sich der Mangel als Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder gedrückte Stimmung, bei älteren Menschen auch als Verwirrtheit, die wie eine beginnende Demenz aussehen kann. Eine Übersichtsarbeit im Mayo Clinic Proceedings beschreibt genau das als Grund, warum der Mangel so oft übersehen wird: Die Beschwerden sind neurologisch oder psychiatrisch, das Blutbild ist unauffällig, und niemand denkt an ein Vitamin.

Mann schüttelt seine kribbelnde Hand aus: Taubheit und Kribbeln in Händen und Füßen sind frühe Nervensymptome bei Vitamin-B12-Mangel
Kribbeln, das nicht vom Aufstützen kommt: Die Nervenfasern in Händen und Füßen melden einen B12-Mangel oft Monate vor dem Blutbild.

Vitamin-B12-Mangel Symptome Augen

Verschwommenes Sehen, ein blinder Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds, Farben, die blasser wirken: Das sind die Augensymptome, die ein B12-Mangel auslösen kann. Betroffen ist nicht das Auge selbst, sondern der Sehnerv, der wie alle Nerven auf B12 angewiesen ist. Die britische NICE-Leitlinie führt Sehstörungen durch eine Schädigung des Sehnervs ausdrücklich unter den häufigen Anzeichen, zusammen mit Gesichtsfeldausfällen und im Extremfall einem Schwund des Sehnervs. In der Praxis ist das selten und tritt meist erst nach langem, schwerem Mangel auf. Trockene oder gereizte Augen, die in vielen Listen stehen, haben mit B12 dagegen nichts Belegtes zu tun. Wer plötzlich schlechter sieht, gehört in die Augenarztpraxis; dort lohnt die Frage nach dem B12-Wert, wenn zusätzlich Kribbeln oder Gangunsicherheit da sind.

Vitamin-B12-Mangel Symptome Zunge, Haut und Haare

Die Zunge ist das eine Symptom, das man sehen kann. Bei B12-Mangel kann sie brennen, empfindlich auf Saures und Scharfes reagieren und ihre feinen Papillen verlieren, bis sie glatt und lackrot aussieht. Fachleute nennen das Hunter-Glossitis, und die NICE-Leitlinie zählt die Zungenentzündung zu den häufigen Zeichen. Die Haut wird durch die Blutarmut blass, manchmal leicht gelblich, weil die zu großen roten Blutkörperchen schneller zerfallen. Ob Haarausfall dazugehört, ist weniger klar: Er wird berichtet, gehört aber in keiner Leitlinie zu den typischen Zeichen. Wer Haare verliert, lässt deshalb nicht nur B12, sondern vor allem Ferritin messen, denn Eisenmangel ist die weit häufigere Ursache.

Vitamin-B12-Mangel und Gewichtszunahme

Die Frage kommt in zwei Richtungen: Macht der Mangel dick, und macht Vitamin B12 dick? Die Antwort auf beides ist nein. Ein B12-Mangel nimmt eher den Appetit, Betroffene verlieren Gewicht, auch weil die Schleimhaut im Verdauungstrakt leidet und Durchfall dazukommen kann. Wenn nach Beginn der Behandlung die Waage steigt, ist das meist die Erholung: Der Appetit kommt zurück, die Energie auch. Dass B12-Präparate oder Spritzen für sich genommen Gewicht aufbauen, ist nicht belegt; das Vitamin liefert keine Kalorien und steuert keinen Fettaufbau. Wassereinlagerungen sind bei einer schweren Blutarmut möglich, weil das Herz gegen den Sauerstoffmangel anpumpt und Flüssigkeit in den Beinen bleibt. Dann ist die Anämie das Problem, nicht das Vitamin. Auch Schwitzen, besonders nachts, wird berichtet; in Studien ist es kein eigenständiges B12-Symptom, kann aber Begleiter jeder ausgeprägten Anämie sein.

Wann zum Arzt

Bei Kribbeln oder Taubheit, die bleibt, bei unsicherem Gang, bei Gedächtnisproblemen oder Sehstörungen zeitnah in die Praxis, unabhängig vom Blutbild. Nervenschäden durch B12-Mangel sind nur in den ersten Monaten sicher rückgängig zu machen. Wer Metformin oder Magensäureblocker nimmt, sich vegan ernährt oder eine Magen-Darm-OP hatte, nennt das beim Termin gleich mit.

Vitamin-B12-Mangel Symptome bei Frauen

Die Symptome sind bei Frauen und Männern dieselben, anders als beim Eisen gibt es keinen Verlust durch die Menstruation. Zwei Besonderheiten gibt es trotzdem. Erstens die Pille: Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel senken den Gesamt-B12-Wert im Blut, ohne dass ein Mangel besteht; die NICE-Leitlinie rät deshalb, den Wert bei Pillen-Anwenderinnen vorsichtig zu deuten und im Zweifel den aktiven Wert oder die Methylmalonsäure zu messen. Zweitens die Schwangerschaft: Der Bedarf steigt, der Gesamt-B12-Wert sinkt physiologisch, und ein echter Mangel trifft das Kind härter als die Mutter (Kapitel 7). Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren und schwanger werden wollen, lassen den Wert am besten vorher bestimmen.

02 Ursachen

Vitamin-B12-Mangel Ursachen: Woher der Mangel kommt

Vitamin B12 wird ausschließlich von Mikroorganismen gebildet und landet über Tiere in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch. Wer davon isst, nimmt in Deutschland im Schnitt mehr auf, als die DGE empfiehlt: Männer 5,5 bis 6 µg am Tag, Frauen 3,7 bis 4 µg. Trotzdem ist der Mangel häufig. Der Grund: Der Weg vom Teller ins Blut ist kompliziert, er braucht Magensäure, ein Transporteiweiß aus dem Magen und einen gesunden letzten Dünndarmabschnitt. Fällt eines davon aus, hilft der volle Teller nichts. Zu wenig Zufuhr ist deshalb die Ausnahme, zu wenig Aufnahme die Regel. Wie viel du überhaupt brauchst, hängt vom Alter und von der Lebenssituation ab.

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Wie viel Vitamin B12 brauchst du pro Tag?

1.5µg pro Tag

Kind 1–3 Jahre: Kleinkinder brauchen 1,5 µg, ab 4 Jahren 2 µg, ab 7 Jahren 2,5 µg und ab 10 Jahren 3,5 µg (DGE). Kinder vegan lebender Eltern müssen wie die Eltern supplementieren.

Perniziöse Anämie: Wenn der Intrinsic Factor fehlt

Die klassische Ursache ist eine Autoimmun-Gastritis: Das Immunsystem zerstört die Belegzellen der Magenschleimhaut, die Magensäure und den Intrinsic Factor bilden, das Transporteiweiß, ohne das B12 im Dünndarm nicht aufgenommen wird. Die Folge hieß früher perniziöse Anämie, bösartige Blutarmut, weil sie vor der Entdeckung des Vitamins tödlich verlief. Heute ist sie gut behandelbar, aber nicht heilbar: Die Belegzellen kommen nicht zurück, deshalb braucht es lebenslang Vitamin B12 in einer Form, die den Intrinsic Factor umgeht, in der Regel als Spritze. Die Autoimmun-Gastritis tritt familiär gehäuft auf und oft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Typ-1-Diabetes. Nachgewiesen wird sie über Antikörper gegen den Intrinsic Factor, wobei ein negativer Test sie nicht ausschließt.

Magensäureblocker und Metformin

Zwei der meistverordneten Medikamente senken den B12-Spiegel. Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol drosseln die Magensäure, und ohne Säure wird B12 nicht aus dem Nahrungseiweiß gelöst. In einer Auswertung von fast 26.000 Menschen mit B12-Mangel und 184.000 Kontrollen war das Risiko nach mindestens zwei Jahren Einnahme um 65 % erhöht, bei mehr als anderthalb Tabletten am Tag fast verdoppelt; schwächere H2-Blocker wie Famotidin erhöhten es um 25 %. Metformin, das Standardmedikament bei Typ-2-Diabetes, stört die Aufnahme im Dünndarm. In der Diabetes-Präventionsstudie DPPOS stieg das Risiko mit jedem Jahr Einnahme um 13 %; nach fünf Jahren hatten 19 % der Metformin-Gruppe niedrige oder grenzwertige Werte gegenüber 10 % unter Placebo, und Nervenschäden waren häufiger. Die Autor:innen empfehlen, den B12-Wert unter Metformin routinemäßig zu kontrollieren.

Vegan, vegetarisch, wenig tierische Lebensmittel

Pflanzen enthalten kein Vitamin B12, das der Mensch nutzen kann. Sauerkraut, Nori-Algen und Shiitake bringen B12-ähnliche Verbindungen mit, die im Labor auffallen, im Körper aber nicht wirken; die DGE hält eine bedarfsdeckende Versorgung rein pflanzlich für nicht möglich. Wer vegan lebt, braucht deshalb ein Präparat oder angereicherte Lebensmittel, ohne Ausnahme. Wer das tut, ist gut versorgt: In der Berliner RBVD-Studie des BfR hatten 36 Veganer:innen, von denen fast alle supplementierten, denselben B12-Status wie 36 Mischköstler:innen. Bei Vegetarier:innen hängt es davon ab, wie viel Milch, Käse und Eier auf dem Plan stehen; wer davon wenig isst, liegt schnell unter 4 µg. Die Speicher überbrücken das jahrelang, was trügerisch ist: Wer nach dem Umstieg drei Jahre keine Beschwerden hat, hält das Präparat für unnötig, und im vierten Jahr fangen die Füße an zu kribbeln.

Gut zu wissen

Ein B12-Präparat lohnt sich nur, wenn es die richtige Form enthält: Cyanocobalamin, Methylcobalamin oder Adenosylcobalamin. Die NICE-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass manche frei verkäuflichen Produkte zu wenig oder die falsche Form enthalten. Der Blick aufs Etikett reicht.

Alter, Magen-Darm-OPs, Lachgas: weitere Risikogruppen

  • Ab 65: Die Magenschleimhaut bildet weniger Säure, oft durch eine chronische Gastritis. B12 aus Lebensmitteln wird dann schlecht gelöst, das aus Präparaten weiterhin gut.
  • Nach Operationen: Magenverkleinerung oder Magenbypass, Entfernung des Magens, Entfernung des letzten Dünndarmabschnitts. Hier ist der Mangel laut NICE so sicher, dass ohne Ersatz gar nicht erst gemessen werden muss.
  • Darmerkrankungen: Morbus Crohn im Dünndarm, Zöliakie, bakterielle Fehlbesiedlung, Fischbandwurm.
  • Medikamente: neben Säureblockern und Metformin auch Colchicin, einige Antiepileptika wie Topiramat, Phenobarbital und Primidon sowie Pregabalin.
  • Lachgas: Distickstoffmonoxid, als Partydroge inhaliert, macht das B12 im Körper unbrauchbar. Es kann innerhalb von Wochen zu schweren Rückenmarksschäden führen, bei normalem B12-Wert im Blut.
  • Alkohol: Regelmäßig hoher Konsum schädigt Magenschleimhaut und Leber, den Speicherort des Vitamins.
03 Verstehen

So kommt Vitamin B12 vom Teller in die Nerven

Drei Stationen von der Magensäure bis zur Nervenzelle. Wer sie kennt, versteht, warum der Mangel im Magen entsteht, warum der Blutwert Holo-TC heißt und warum Tabletten mit 1.000 µg auch ohne Intrinsic Factor funktionieren.

1

Freisetzen im Magen

Im Essen steckt B12 an Eiweiß gebunden. Magensäure und Pepsin lösen es heraus, ein Speicheleiweiß nimmt es in Empfang, und die Belegzellen des Magens liefern den Intrinsic Factor, das Transporteiweiß für den Dünndarm. Wenig Säure, wie im Alter oder unter Säureblockern, heißt: Das Vitamin bleibt im Essen stecken. Aus Präparaten ist es dagegen frei verfügbar.

2

Aufnahme und Speicher

Erst im letzten Dünndarmabschnitt, dem terminalen Ileum, dockt der B12-Intrinsic-Factor-Komplex an seinen Rezeptor an. Dieser Weg schafft 1,5 bis 2 µg pro Mahlzeit, mehr nicht; etwa ein Prozent jeder Dosis geht zusätzlich passiv durch die Darmwand. Im Blut fährt das Vitamin an Transcobalamin gebunden, das ist das Holo-TC, das Labore messen. Die Leber lagert 3 bis 5 mg ein, genug für Jahre.

3

Wirkung in der Zelle

In der Zelle arbeitet B12 in zwei Enzymen. Das eine baut Homocystein zu Methionin um und liefert damit die Bausteine für DNA und die Isolierschicht der Nerven. Das andere entsorgt Methylmalonsäure. Fehlt B12, teilen sich Blutzellen nicht richtig, das Myelin der Nerven leidet, und Homocystein und Methylmalonsäure stauen sich im Blut. Genau diese beiden Stoffe verraten den Mangel, wenn der B12-Wert im Graubereich liegt.

04 Diagnose

Vitamin-B12-Wert: So wird ein Mangel festgestellt

Der Standardtest misst das Gesamt-Vitamin-B12 im Blutserum, und genau da liegt das Problem: Nur ein Fünftel davon ist die aktive Form, der Rest hängt an einem Transporteiweiß, das keine Zelle versorgt. Der Gesamtwert sinkt spät und unzuverlässig; Menschen mit klaren Nervensymptomen können im Normbereich liegen. Die NICE-Leitlinie von 2024 hat deshalb drei Stufen definiert, die für Gesamt-B12 und für den aktiven Wert gelten, und einen Graubereich, in dem ein zweiter Test entscheidet. Deutsche Labore geben mal ng/l an, mal pmol/l; ng/l entspricht pg/ml, und pmol/l mal 1,36 ergibt ng/l.

Die drei Stufen nach der NICE-Leitlinie 2024

  1. 1 MangelGesamt-B12 < 133 pmol/l (< 180 ng/l) oder Holo-TC < 25 pmol/l

    Der Mangel gilt als gesichert. Behandlung beginnen, Ursache klären, bei Nervensymptomen oder Blutarmut nicht auf weitere Ergebnisse warten.

  2. 2 Graubereich133–258 pmol/l (180–350 ng/l) oder Holo-TC 25–70 pmol/l

    Möglicher Mangel. Bei Beschwerden Methylmalonsäure nachmessen; bei Autoimmun-Gastritis, nach Magen-Darm-OP, in der Schwangerschaft oder bei Nervensymptomen schon jetzt behandeln.

  3. 3 Unwahrscheinlich> 258 pmol/l (> 350 ng/l) oder Holo-TC > 70 pmol/l

    Ein Mangel ist unwahrscheinlich. Andere Ursachen der Beschwerden suchen; bleiben sie, nach drei bis sechs Monaten erneut messen.

Grenzwerte nach NICE NG239 (März 2024). Labore setzen teils eigene Grenzen, dann gelten die des Labors. Vor dem Test kein B12-Präparat nehmen, es hebt den Wert, ohne den Mangel zu beheben.

Holotranscobalamin: der aktive B12-Wert

Holotranscobalamin, kurz Holo-TC oder aktives B12, ist der Anteil des Vitamins, der an Transcobalamin gebunden ist und tatsächlich in die Zellen kann. Er sinkt als Erstes, wenn die Zufuhr oder die Aufnahme nachlässt, noch bevor der Gesamtwert reagiert und lange bevor das Blutbild sich verändert. Saarbrücker Forscher:innen haben ihn deshalb schon 2008 im Deutschen Ärzteblatt als frühesten Laborparameter für den B12-Mangel beschrieben und empfohlen, Risikogruppen alle zwei bis drei Jahre damit zu testen. Die NICE-Leitlinie stellt Holo-TC dem Gesamt-B12 als Ersttest gleich und macht ihn in der Schwangerschaft zur ersten Wahl, weil der Gesamtwert dort physiologisch absinkt. Unter 25 pmol/l gilt als Mangel, 25 bis 70 ist Graubereich, über 70 ist ein Mangel unwahrscheinlich. Der Test kostet als Selbstzahlerleistung mehr als der Gesamtwert, spart aber oft den zweiten Termin.

Blutserum-Röhrchen im Labor: Holotranscobalamin, Methylmalonsäure und Gesamt-B12 zeigen, wie gut der Körper mit Vitamin B12 versorgt ist
Ein Röhrchen, drei Fragen: Wie viel B12 ist da (Gesamtwert), wie viel davon kommt an (Holo-TC), und fehlt es in den Zellen schon (Methylmalonsäure).

Methylmalonsäure und Homocystein: die Zellen antworten

Beide Werte messen nicht das Vitamin, sondern seine Arbeit. Ohne B12 kann die Zelle Methylmalonsäure nicht abbauen, und sie steigt im Blut. Das passiert erst, wenn die Speicher wirklich leer sind; ein erhöhter Wert bedeutet also einen Mangel, der in den Zellen angekommen ist. Die NICE-Leitlinie empfiehlt die Methylmalonsäure als zweiten Test, wenn der erste im Graubereich lag und Beschwerden bestehen, und als ersten Test, wenn Lachgas die Ursache sein könnte, weil der B12-Wert dann täuscht. Homocystein steigt ebenfalls, ist aber weniger spezifisch: Es reagiert auch auf Folsäuremangel und Nierenschwäche. Unter Behandlung sinken beide Werte innerhalb weniger Wochen, deshalb eignen sie sich auch zur Kontrolle, ob die Therapie wirkt.

Vitamin-B12-Mangel Test: Wer testen lassen sollte

Nicht jede:r. Das IQWiG hat 2022 geprüft, ob Menschen ab 50 ohne Beschwerden von einem regelmäßigen B12-Test profitieren, und fand keinen Beleg dafür. Die NICE-Leitlinie empfiehlt den Test, wenn mindestens ein Symptom aus Kapitel 1 und mindestens ein Risikofaktor aus Kapitel 2 zusammenkommen; bei Symptomen ohne Risikofaktor entscheidet die Ärztin nach Lage. Wer Metformin oder Säureblocker dauerhaft nimmt, vegan lebt oder über 65 ist, hat den Risikofaktor schon. Selbsttests aus Apotheke oder Internet messen meist Holo-TC aus einem Tropfen Fingerblut und sind brauchbar, wenn drei Regeln gelten: kein B12-Präparat in den Wochen davor, die Pille als möglichen Verzerrer der Gesamtwerte kennen, und ein niedriges Ergebnis in der Praxis bestätigen lassen, bevor die Therapie beginnt. Bei begründetem Verdacht zahlt die Krankenkasse den Gesamt-B12-Wert; Holo-TC und Methylmalonsäure sind je nach Praxis Selbstzahlerleistungen.

Vor dem Test

Blut abnehmen lassen, bevor die erste Tablette oder Spritze kommt. Ein Präparat hebt den Gesamt- und den Holo-TC-Wert innerhalb weniger Tage, und dann lässt sich nicht mehr klären, ob und warum ein Mangel bestand. Wer schon supplementiert, sagt das im Labor dazu; dann sind Methylmalonsäure oder Homocystein die besseren Marker.

05 Behandlung

Vitamin-B12-Mangel beheben: Tabletten, Spritzen, Dauer

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem Wert. Fehlt B12 im Essen, reicht ein Präparat in normaler Dosis plus Umstellung. Fehlt die Aufnahme, weil Magensäure, Intrinsic Factor oder der Dünndarm nicht mitspielen, braucht es entweder eine hohe orale Dosis, von der genug passiv durch die Darmwand geht, oder die Spritze, die den Darm ganz umgeht. Bei Autoimmun-Gastritis, nach Entfernung des Magens oder des letzten Dünndarmabschnitts empfiehlt die NICE-Leitlinie lebenslang Injektionen; bei anderen Aufnahmestörungen mindestens 1 mg täglich oral oder ebenfalls Spritzen. Bei Nervensymptomen oder Blutarmut wird sofort begonnen, ohne auf weitere Laborwerte zu warten. Ein Mangel durch Metformin oder Säureblocker wird behandelt, solange das Medikament läuft, und die Ärztin prüft, ob es das noch braucht.

Vitamin-B12-Spritze oder Tabletten?

Lange galt die Spritze als einziger Weg bei Aufnahmestörungen. Die Cochrane-Analyse von 2018 fand in drei Studien mit 153 Teilnehmenden, dass 1.000 µg täglich als Tablette den Blutwert genauso normalisierten wie Injektionen, bei niedrigeren Kosten; die Datenlage ist dünn, aber eindeutig in eine Richtung. Der Mechanismus ist einfach: Ein Prozent von 1.000 µg sind 10 µg, mehr als der Tagesbedarf, ganz ohne Intrinsic Factor. Die Spritze bleibt erste Wahl, wenn es schnell gehen muss (Nervensymptome, ausgeprägte Anämie), wenn die Aufnahme sicher und dauerhaft ausgefallen ist (Autoimmun-Gastritis, Magenentfernung) oder wenn unklar ist, ob jemand täglich eine Tablette nimmt. Üblich sind in Deutschland Hydroxocobalamin-Injektionen: in den ersten ein bis zwei Wochen mehrere, dann wöchentlich, dann alle ein bis drei Monate als Erhaltung. Bei Tabletten gilt: täglich und hoch dosiert, nicht die 3-µg-Kapsel aus dem Drogerieregal.

Bei einem nachgewiesenen Mangel entscheidet nicht die Darreichungsform, sondern die Ursache. Wer Vitamin B12 nicht aufnehmen kann, braucht die hohe Dosis oder die Spritze, und zwar dauerhaft, nicht bis der Wert wieder schön aussieht.

Michael Pohlmann, Ernährungswissenschafter, fachliche Prüfung dieses Artikels

Wie lange dauert es, bis der Mangel behoben ist

Das Blut reagiert schnell, die Nerven langsam. Schon nach einer Woche steigen die jungen roten Blutkörperchen, nach etwa sechs bis acht Wochen ist das Blutbild meist normal. Müdigkeit bessert sich entsprechend früh. Die NICE-Leitlinie sagt Patient:innen: Erste Besserung ist innerhalb von zwei Wochen möglich, kann aber bis zu drei Monate dauern, und Beschwerden können zu Beginn vorübergehend zunehmen. Nervensymptome brauchen Monate; was nach sechs bis zwölf Monaten noch da ist, bleibt oft. Deshalb zählt bei Kribbeln und Gangunsicherheit jede Woche. Der erste Kontrolltermin ist nach drei Monaten sinnvoll, in der Schwangerschaft nach einem Monat. Wer sich dann nicht ausreichend besser fühlt, bekommt die höhere Tablettendosis oder wechselt auf Spritzen.

  1. Woche 0 Messen, dann starten

    Blutbild, Gesamt-B12 oder Holo-TC, bei Bedarf Methylmalonsäure. Bei Nervensymptomen oder Anämie sofort behandeln, Ursache parallel klären.

  2. Woche 1–2 Blut springt an

    Junge rote Blutkörperchen steigen, Methylmalonsäure und Homocystein beginnen zu sinken. Bei Aufnahmestörung Spritzen in kurzen Abständen oder 1.000 µg täglich oral.

  3. Woche 6–12 Blutbild normal, Kontrolle

    Anämie meist behoben, Müdigkeit besser. Erster Kontrolltermin: Besserung? Dosis anpassen, Erhaltung festlegen.

  4. Monat 3–12 Nerven brauchen Zeit

    Kribbeln und Gangunsicherheit bilden sich langsam zurück. Bei Autoimmun-Gastritis oder nach Magen-OP: Erhaltung lebenslang, nicht absetzen.

Vitamin-B12-Überdosierung: Kann man zu viel nehmen?

Für Vitamin B12 gibt es keine tolerierbare Obergrenze, weder von der EFSA noch vom früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU. Der Grund: Selbst bei Aufnahmen von über 100 µg am Tag über Jahre wurden keine schädlichen Wirkungen beobachtet, und therapeutisch werden 1.000 µg und mehr gegeben. Was der Körper nicht braucht, scheidet er über die Niere aus. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel trotzdem eine Höchstmenge von 25 µg pro Tagesdosis vor, aus Vorsicht und weil viele Menschen mehrere Präparate kombinieren. Gesunde ohne Mangel haben von Hochdosis-Produkten mit 500 oder 1.000 µg keinen Nutzen, das Vitamin füllt keine Reserven über den Bedarf hinaus. Ein hoher B12-Wert im Blut ohne Präparat ist keine Überdosierung, sondern ein Befund, der in der Praxis besprochen werden sollte, weil er von Leber oder Blutbildung kommen kann. Und wer viel B12 nimmt, verfälscht seinen Test (Kapitel 4).

Folsäure kann den Mangel verdecken

Hochdosierte Folsäure bessert die Blutarmut bei B12-Mangel, ohne die Nerven zu schützen. Das Blutbild sieht dann gut aus, während die Nervenschäden fortschreiten. Wer Folsäure nimmt und Kribbeln oder Gangunsicherheit hat, lässt B12 messen, bevor er weitermacht.

06 Ernährung

Vitamin B12 Lebensmittel: Was auf den Teller gehört

Vitamin B12 steckt in allem, was vom Tier kommt: am meisten in Innereien und Muscheln, viel in fettem Seefisch, solide in Rindfleisch, Eiern, Käse und Milch. Auf der pflanzlichen Seite gibt es nur, was angereichert wurde. Das Ranking zeigt beide Seiten, pro 100 g und so, wie es auf dem Teller landet: Fleisch, Fisch und Muscheln gegart, Eier gekocht. Die Werte stammen aus der US-Nährwertdatenbank USDA, weil sie für Zubereitungsarten getrennt vorliegen.

Vitamin B12 pro 100 g: Top 10 tierisch und angereichert

  1. Venusmuscheln (gegart): 98.9 µg
  2. Rinderleber (geschmort): 70.6 µg
  3. Oktopus (gegart): 36.0 µg
  4. Austern (gegart): 28.8 µg
  5. Miesmuscheln (gegart): 24.0 µg
  6. Makrele (gegart): 19.0 µg
  7. Hering (gegart): 13.1 µg
  8. Thunfisch, Roter (gegart): 10.9 µg
  9. Sardinen (Dose in Öl): 8.9 µg
  10. Rindersteak, mager (gegart): 3.8 µg

Werte pro 100 g gegart, USDA FoodData Central SR Legacy. In Portionen: 150 g Makrele 28,5 µg, 100 g Hering 13 µg, 150 g Rindersteak 5,7 µg, 100 g Hackfleisch 2,6 µg. Die Alltagsquellen liegen tiefer, summieren sich aber: Emmentaler 3,1, Mozzarella 2,3, Gouda 1,5, gekochtes Ei 1,1 (ein Ei 0,55), Naturjoghurt 0,4 bis 0,6, Milch 0,45 pro 100 ml, Schweinefilet 1,0, Hähnchenbrust 0,3. Leberwurst kommt auf 13,5.

Wie viele Eier decken den Tagesbedarf?

Ein gekochtes Ei liefert rund 0,55 µg Vitamin B12, rechnerisch wären es also sieben Eier für 4 µg. Die Rechnung führt in die Irre, und zwar in beide Richtungen. Erstens nimmt der aktive Weg pro Mahlzeit nur 1,5 bis 2 µg auf; sieben Eier auf einmal bringen nicht mehr als drei. Zweitens brauchst du die 4 µg nicht aus einem Lebensmittel: Ein Glas Milch, ein Joghurt, zwei Scheiben Käse und ein Ei über den Tag verteilt liegen zusammen bei 3 bis 4 µg, ohne dass Fleisch oder Fisch dabei wären. Deshalb sind Vegetarier:innen mit Milchprodukten meist versorgt und Veganer:innen ohne Präparat nie. Und deshalb schlägt Verteilen jede Einzelportion.

Auf einmal ≈ 2 µg

nimmt der aktive Weg pro Mahlzeit höchstens auf, egal ob 100 g Leber oder sieben Eier auf dem Teller liegen

Verteilt 3 × 1,5 µg

Milch, Ei, Käse, Fisch über drei Mahlzeiten verteilt decken die 4 µg ohne Verlust und ohne Leber

Vitamin-B12-reiche Lebensmittel: Miesmuscheln, Makrele, gekochte Eier, Käse, Milch und Joghurt auf hellem Untergrund
Fisch oder Muscheln ein- bis zweimal pro Woche, dazu Milchprodukte und Eier über den Tag: Mehr braucht es bei intakter Aufnahme nicht.

Was die Aufnahme fördert und was sie bremst

Beim Vitamin B12 geht es weniger um Kombinationen auf dem Teller als um das, was zwischen Magen und Dünndarm passiert. Die Liste zeigt, worauf es ankommt.

Fördert die Versorgung
  • Über den Tag verteilen: drei kleine B12-Quellen bringen mehr als eine große, weil der aktive Weg pro Mahlzeit bei 1,5 bis 2 µg dicht macht
  • Milch, Joghurt, Käse: B12 aus Milchprodukten wird gut aufgenommen und passt in jede Mahlzeit
  • Fisch und Meeresfrüchte ein- bis zweimal pro Woche: Makrele, Hering, Muscheln, Sardinen
  • Angereicherte Lebensmittel bei pflanzlicher Ernährung: Pflanzendrinks, Cerealien, Hefeflocken, Trinkmahlzeiten mit ausgewiesenem B12
  • Präparat in der richtigen Form: Cyano-, Methyl- oder Adenosylcobalamin, bei veganer Ernährung immer
Bremst die Versorgung
  • Wenig Magensäure: Alter, chronische Gastritis, Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker, denn ohne Säure bleibt B12 im Nahrungseiweiß
  • Metformin: stört die Aufnahme im Dünndarm, Risiko steigt mit jedem Jahr
  • Autoimmun-Gastritis, Magen- oder Dünndarm-OP, Morbus Crohn, Zöliakie: Präparat oder Spritze statt Teller
  • Lachgas: macht vorhandenes B12 unbrauchbar, auch bei normalem Blutwert
  • Sauerkraut, Algen, Shiitake als Quelle: enthalten inaktive B12-Analoga, die den Bedarf nicht decken (DGE)

Quellen: NICE NG239 (2024), DGE-FAQ Vitamin B12 (2025), Lam 2013, Aroda 2016.

Vitamin B12 im Alltag: angereicherte Lebensmittel und Trinkmahlzeiten

Wer wenig oder keine tierischen Lebensmittel isst, holt sich das Vitamin dort, wo es zugesetzt wurde. In Deutschland sind das vor allem Pflanzendrinks, Frühstückscerealien, Hefeflocken und Fleischalternativen; das BfR hält für Getränke 1,6 µg pro 100 ml für die sinnvolle Obergrenze der Anreicherung. Ein zweiter Weg sind Trinkmahlzeiten mit definierten Nährstoffmengen: Eine Flasche Saturo liefert je nach Sorte 0,9 bis 1,0 µg Vitamin B12, das sind 36 bis 40 % der Referenzmenge, dazu Folsäure und Eisen, die für die Blutbildung mit dem B12 zusammenarbeiten. Kein Ersatz für ein Präparat bei veganer Ernährung und schon gar nicht bei einer Aufnahmestörung, aber ein planbarer Beitrag an Tagen, an denen Fisch oder Milchprodukte nicht auf dem Plan stehen.

Ready-to-Drink 6 x 400 ml
Aus dem Saturo-Sortiment

Trinkmahlzeit: eine vollwertige Mahlzeit aus der Flasche

26 Vitamine und Mineralstoffe, darunter Vitamin B12, Folsäure und Eisen. Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Referenzwert für Vitamin B12: 2,5 µg pro Tag (NRV). Für Tage, an denen Kochen nicht auf dem Plan steht.

26Vitamine & Mineralstoffe
36 gProtein
400kcal
1,0 µgVitamin B12 pro Flasche40 % der Referenzmenge
Sorte wählen
41,50 krpro Mahlzeit
Trinkmahlzeit · Cocoa41,50 kr pro Mahlzeit ·
Gut zu wissen

Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse enthalten kein Vitamin B12, auch nicht in Bio-Qualität oder ungewaschen. Was in Tabellen für Nori, Spirulina oder Shiitake steht, sind zum großen Teil B12-Analoga, die der Körper nicht nutzen kann und die sogar den Bluttest verfälschen können. Als Quelle zählen sie nicht.

07 Sonderfälle

Vegan, schwanger, ab 65, Diabetes: Wer besonders aufpassen muss

Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung

Vegan ohne B12-Präparat funktioniert nicht, das ist unter Fachgesellschaften unstrittig; die DGE nennt die Supplementierung notwendig. Die gute Nachricht steht in der RBVD-Studie des BfR: Veganer:innen, die ein Präparat nehmen, sind so gut versorgt wie Mischköstler:innen, obwohl sie über das Essen fast nichts aufnehmen. Worauf es ankommt: die Form (Cyano-, Methyl- oder Adenosylcobalamin), die Regelmäßigkeit und der Blick auf den Wert, am besten Holo-TC alle zwei bis drei Jahre, bei Kinderwunsch vorher. Eltern: Kinder vegan lebender Familien brauchen das Präparat von Anfang an, in der Stillzeit über die Mutter. Und wer nur wenig tierische Lebensmittel isst, ohne sich vegan zu nennen, rechnet einmal ehrlich nach: Kommen an einem normalen Tag 4 µg zusammen?

Frau streut Hefeflocken über eine vegane Bowl: Bei pflanzlicher Ernährung kommt Vitamin B12 nur aus angereicherten Lebensmitteln und Präparaten
Angereicherte Hefeflocken, Pflanzendrinks und ein Präparat: So sind vegan lebende Menschen laut BfR-Studie genauso gut versorgt wie alle anderen.

Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglinge

In der Schwangerschaft steigt der Schätzwert auf 4,5 µg, in der Stillzeit auf 5,5 µg, weil das Kind eigene Speicher anlegt und später über die Milch versorgt wird. Der Gesamt-B12-Wert sinkt in der Schwangerschaft von selbst, deshalb empfiehlt die NICE-Leitlinie hier Holo-TC als ersten Test und bei Autoimmun-Gastritis Spritzen ohne Wartezeit auf Antikörper-Ergebnisse. Am gefährdetsten ist nicht die Mutter, sondern das Baby: Säuglinge haben keine Reserven, und ein Mangel in den ersten Lebensmonaten kann die Entwicklung des Gehirns bleibend schädigen. Das IQWiG hat sich deshalb 2024 dafür ausgesprochen, den erworbenen B12-Mangel in das Neugeborenen-Screening aufzunehmen. Stillende Mütter mit veganer oder sehr fleischarmer Ernährung supplementieren also nicht für sich, sondern für das Kind.

Ab 65: Magen, Medikamente, Vergesslichkeit

Im Alter treffen drei Dinge zusammen: Die Magenschleimhaut bildet weniger Säure, oft kommt ein Säureblocker oder Metformin dazu, und die Beschwerden werden für normales Altern gehalten. Jede:r Vierte über 65 liegt unter dem Grenzwert. Das Tückische ist die Ähnlichkeit mit anderen Diagnosen: Gangunsicherheit gilt als Gebrechlichkeit, Vergesslichkeit als beginnende Demenz, gedrückte Stimmung als Einsamkeit. Ein Routine-Screening ohne Beschwerden empfiehlt das IQWiG nicht, weil der Nutzen nicht belegt ist. Aber bei genau diesen Beschwerden gehört der B12-Wert zur Abklärung, bevor die Diagnose Demenz steht. Der Vorteil im Alter: Das Vitamin aus Präparaten wird auch bei wenig Magensäure gut aufgenommen, weil es nicht erst aus dem Nahrungseiweiß gelöst werden muss.

Diabetes und Metformin

Metformin ist das meistverordnete Diabetesmedikament und ein stiller B12-Räuber: Es stört die Aufnahme im Dünndarm, und das Risiko wächst mit Dosis und Jahren. Besonders heikel ist die Verwechslung: Kribbeln und Taubheit in den Füßen gelten bei Diabetes als diabetische Nervenschädigung, dabei kann derselbe Befund vom B12-Mangel kommen, der sich behandeln lässt. In der DPPOS-Studie waren Nervenschäden in der Metformin-Gruppe häufiger. Die britische Arzneimittelbehörde hat 2022 eine Sicherheitswarnung dazu veröffentlicht, und die NICE-Leitlinie führt Metformin unter den Risikofaktoren. Praktisch: Wer Metformin nimmt, lässt B12 bei der jährlichen Kontrolle mitbestimmen, und bei Fußsymptomen sofort. Das Medikament wird deshalb nicht abgesetzt, der Mangel wird parallel behandelt.

Vitamin-B12-Mangel Folgen: Nerven, Blut, Psyche

Unbehandelt führt der Mangel zu einer megaloblastären Anämie, die das Herz belastet, und zu fortschreitenden Nervenschäden: Polyneuropathie in Händen und Füßen, Schädigung der Rückenmarksbahnen mit Gangstörung und Blasenproblemen, Sehnervschäden, in schweren Fällen Lähmungen. Auf der psychischen Seite reichen die Folgen von Reizbarkeit und Depression bis zu Verwirrtheit und Psychose; die NICE-Leitlinie nennt alle drei ausdrücklich. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Seiten: Das Blut erholt sich immer, die Nerven nur, wenn früh behandelt wird. Deshalb zählt bei einem B12-Mangel mit Nervensymptomen nicht der Wert, sondern die Zeit bis zur ersten Dosis.

08 Nachschlagen

Häufige Fragen zu Vitamin-B12-Mangel

Was sind B12-Räuber?

Keine Lebensmittel, sondern Medikamente und Umstände, die die Aufnahme stören: Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker (wenig Magensäure), Metformin (Dünndarm), Lachgas (macht vorhandenes B12 unbrauchbar), Alkohol in großen Mengen, dazu Autoimmun-Gastritis, Magen- und Darm-Operationen sowie chronische Darmerkrankungen. Kaffee, Tee oder Vitamin C rauben kein B12.

Wie lange dauert es, bis B12 wieder aufgefüllt ist?

Das Blut reagiert innerhalb einer Woche, das Blutbild ist nach sechs bis acht Wochen meist normal. Die Leitlinie NICE nennt eine erste spürbare Besserung innerhalb von zwei Wochen bis drei Monaten. Nervensymptome brauchen Monate, bei Autoimmun-Gastritis oder nach Magen-OP läuft die Behandlung lebenslang weiter, weil die Ursache bleibt.

Was hilft schnell bei B12-Mangel?

Am schnellsten wirken Injektionen, weil sie den Darm umgehen und in den ersten Wochen dicht getaktet gegeben werden. Bei erhaltener Aufnahme reichen hochdosierte Tabletten mit 1.000 µg täglich, die laut Cochrane-Analyse den Wert ebenso zuverlässig anheben. Essen allein hilft bei einem nachgewiesenen Mangel nicht schnell genug, weil pro Mahlzeit höchstens 1,5 bis 2 µg aufgenommen werden.

Wie viele Eier decken den Tagesbedarf an Vitamin B12?

Rechnerisch sieben, praktisch keine sinnvolle Zahl: Ein gekochtes Ei liefert etwa 0,55 µg, der aktive Aufnahmeweg schafft aber nur 1,5 bis 2 µg pro Mahlzeit. Besser sind mehrere kleine Quellen über den Tag, etwa Milch zum Frühstück, Käse mittags, Ei oder Fisch am Abend. Zusammen kommen so 3 bis 4 µg zusammen, mehr als aus jeder Einzelportion.

Was sollte man nicht zusammen mit B12 einnehmen?

Es gibt keine Lebensmittel, die die Einnahme stören. Wichtig ist das Timing bei Medikamenten: Säureblocker senken die Aufnahme aus dem Essen, nicht aus Präparaten. Vorsicht bei hochdosierter Folsäure: Sie kann die Blutarmut bessern und den B12-Mangel verdecken, während die Nerven weiter Schaden nehmen. Und vor einem geplanten Bluttest kein B12 einnehmen, sonst ist der Wert nicht mehr aussagekräftig.

Enthalten Nüsse oder Joghurt Vitamin B12?

Nüsse nicht, wie alle pflanzlichen Lebensmittel ohne Anreicherung. Joghurt ja: Naturjoghurt liefert 0,4 bis 0,6 µg pro 100 g, also rund 0,6 bis 0,9 µg pro 150-g-Becher, Milch etwa 0,45 µg pro 100 ml, Emmentaler liegt um 3 µg pro 100 g. Milchprodukte sind für Vegetarier:innen die wichtigste B12-Quelle.

Welche Nervenschäden kann ein Vitamin-B12-Mangel verursachen?

Zuerst eine Polyneuropathie mit Kribbeln, Taubheit und Brennen in Füßen und Händen. Dann die funikuläre Myelose, eine Schädigung der Rückenmarksbahnen mit Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und Stürzen, später Lähmungen und Blasenstörungen. Möglich sind auch Sehnervschäden sowie Gedächtnisstörungen, Depression und Verwirrtheit. Früh behandelt bilden sich die Schäden meist zurück, nach vielen Monaten oft nicht mehr vollständig.

Wie lange darf man hochdosiertes Vitamin B12 einnehmen?

So lange, wie die Ursache besteht, bei Autoimmun-Gastritis oder nach Magen-OP also lebenslang; das gilt als sicher, weil für B12 keine Obergrenze mit Schäden bekannt ist. Ohne nachgewiesenen Mangel bringt Hochdosis nichts: Der Körper nutzt nur, was er braucht, und scheidet den Rest aus. Das BfR empfiehlt für die Selbstversorgung höchstens 25 µg pro Tag, alles darüber ist Therapie mit ärztlicher Begleitung.

Quellen · 17 Quellen anzeigen
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GA
Gregor AßlaberAutor · Redakteur Saturo

Schreibt seit 2019 für Saturo über Ernährung, Nährstoffe und die Frage, wie gute Versorgung im Alltag praktisch funktioniert.

MP
Michael PohlmannFachliche Prüfung · Ernährungswissenschafter

Hat diesen Artikel am 11. September 2026 auf fachliche Richtigkeit geprüft. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.